Angeschaut: Rick and Morty – Auto Erotic Assimilation (S02E03)

Rick and Morty ist eine Science-Fiction-Show über den genialen Erfinder Rick Sanchez, der mit seinem Enkel Morty durch das Universum reist und mit den unterschiedlichsten Gegebenheiten konfrontiert wird. Angetrieben durch eine unglaubliche Langeweile stürzt sich Rick von einem Exzess in den nächsten und versucht das Leben im Universum auf irgendeine Weise zu genießen. Morty ist im Gegensatz dazu die moralische Instanz. Trotz seines eingeschränkten Wissens versucht er Rick zu bremsen, um die negativen Konsequenzen für alle so gering wie möglich zu halten. 

Für die dritte Folge der zweiten Staffel sollte man sich vielleicht etwas Zeit nehmen, denn sie beschäftigt sich mit einem der schwierigsten Probleme des Lebens: Was unterscheidet uns von anderen, und wofür halten wir diese Unterscheidung aufrecht? In der Folge treffen Rick, Morty und Summer auf ein Raumschiff, das anscheinend von etwas angegriffen wurde. Die überlebende Besatzung berichtet davon, dass eine Entität ihren Heimatplaneten angegriffen hätte und dort alle Personen assimiliert und versklavt hat. Kurz darauf werden auch die übrigen Mitglieder assimiliert und die Entität stellt sich als Unity vor, woraufhin Rick seine Waffe wegsteckt und seinen Enkeln erklärt, dass er und Unity früher mal in einer Beziehung gewesen sind.

Unity zeigt sich als äußerst umgängliche Lebensform, die allerdings eine vollständige Assimilation des Universums anstrebt, um gottähnliche Kräfte zu erlangen. Um dorthin zu gelangen, möchte es alle Lebewesen befrieden. Auf dem Heimatplaneten der Außerirdischen vom Raumschiff führt das zu Weltfrieden und einem idyllischen Leben, das suizidiale Prostituierte zu Wissenschaftlerinnen macht.

Die Folge teilt sich daraufhin in drei Abschnitte.

Unity und Rick sprechen miteinander, kommen sich langsam wieder näher und führen ihre Beziehung dort weiter, wo sie aufgehört hat. Unity scheint Rick dabei jeden Wunsch erfüllen zu wollen, um ihn von sich zu überzeugen, während Rick einfach alles hinnimmt und die Situation genießt.

Summer und Morty werden in der Zwischenzeit von Unity mit den Vorteilen einer vollständig verbundenen Welt konfrontiert. Die Lebewesen gehen aufeinander ein, alle Ressourcen werden mit höchster Effizienz genutzt und es herrscht ein perfektes Leben für alle intelligenteren Lebensformen. Summer stößt das ab, weil sie davon ausgeht, dass Individualität das bessere Leben darstellt. Während sich Rick und Unity vergnügen, erlangen einige Außerirdische ihre Selbstständigkeit zurück und fangen an, sich zu bekriegen, weil es anscheinend vor der Vereinigung mit Unity unterschiedliche Schichten gegeben hat. Es beginnt ein Rassenkrieg.

In der Nebenhandlung finden Jerry und Beth einen Außerirdischen einer anderen Spezies in einem Schacht unter ihrer Garage, anscheinend wird dieser von Rick dort gefangengehalten. Die beiden fangen vor dem Alien an, darüber zu streiten, ob Beth mit ihrem Vater zu nachlässig umgeht und dadurch Jerrys Gefühle ignoriert.

Die Handlung kulminiert darin, dass Summer einsieht, dass eine Verbindung mit Unity nichts Schlechtes darstellen muss. Summer und Morty versuchen Rick davon zu überzeugen, dass er einen schlechten Einfluss auf Unity hat. Dieser lässt sich allerdings nichts von den beiden gefallen und schickt sie nach Hause. Unity ist sich jedoch nicht mehr sicher, was es tun soll.

Der Außerirdische unter der Garage kann sich von seinen Fesseln befreien und spricht mit Jerry und Beth darüber, dass ihre Streitereien nichts mit Ricks Verhalten zu tun haben, sondern einzig auf ihren Umgang miteinander zurückzuführen sind.

Unity verlässt Rick und hinterlässt ihm eine Nachricht, in der sie beschreibt, warum sie nicht zusammen sein können. Rick hat zu viel Einfluss auf ihn, sodass es sich dadurch bedrängt sieht, seine eigenen Ziele nicht erreichen zu können.

Und man.

Was für eine Folge.

Ich bin mir nicht sicher, ob jeder so sehr wie ich von dieser Folge mitgerissen wird. Aber ich halte sie für das Beste, was ich bisher im Fernsehen sehen durfte.

Zunächst einmal bleibt die Qualität der vorhergehenden Folgen erhalten. Alles hervorragende Animationen, großartige Direktheit, super guter Humor mit verdammt einprägsamen Szenen, gute Wendungen, harte Science-Fiction, die einfach zu begreifen und nicht vollkommen wissenschaftlich ist, aber sich an genügend Eckpunkte hält, um immer noch Sinn zu ergeben. Soweit die Voraussetzungen der Serie.

Und jetzt wagen wir uns mal an das Beeindruckende der Folge heran: Wie schon am Anfang erwähnt, behandelt sie die Frage, wie wir uns von anderen unterscheiden. Unity möchte die Unterschiede im Universum auslöschen, weil es davon ausgeht, dass diese Unterschiede zu Problemen führen. Unity achtet aber auch Ricks Individualität, weil er derjenige ist, der es ernstnimmt und es nicht ausnutzen möchte. Rick hingegen ist von der Beziehung vollständig überzeugt, weil er seine Langeweile loswird und er mit einem Lebewesen zusammen sein kann, dass ihn einfach so schätzt, ohne Bedingung. Die Beziehung von Unity und Rick führt allerdings zu einer einseitigen Ausnutzung, weil Rick keine Rücksicht darauf nimmt, dass Unity seine Ziele erreichen möchte. Er möchte einfach mit ihm zusammen Spaß haben.

Was unterscheidet uns von anderen? Unity kann nur in einer Beziehung leben, die von ihm kontrolliert wird, weil es nur dort seine Ziele umsetzen kann, fühlt sich aber zu Rick hingezogen, weil es von ihm kontrolliert wird. Rick möchte keine Beziehung, die sich mit Zielen auseinandersetzt, weil das Leben keine Ziele besitzt. Er möchte Spaß haben und das Leben solange genießen, wie er es kann. Das führt dazu, dass Unity sich von Rick trennt, obwohl sie beide zusammen sein wollen.

Gehen wir mal zum zweiten Teil: Unitys Assimilation führt dazu, dass alle Beziehungen von ihm kontrolliert werden, was zu einem besseren Leben für alle Beteiligten führt. Kein Hunger, kein Krieg, keine Konflikte, keine negativen Gefühle – vollständige Hingabe, für vollständiges Glück. Wollen wir das? Möchte das irgendjemand in Betracht ziehen? Summer fühlt sich unwohl, weil sie von der Individualität überzeugt ist. Morty ist da mittlerweile abgehärteter, weil er mit Rick schon einiges miterlebt hat, unter anderem anscheinend auch, wie sehr unsere Individualität dazu führt, dass wir uns gegenseitig hassen. Summer: „Why are you fighting?! Can’t you see, you are all the same?“ – Morty: „Oh, Summer … hehe, first race war, huh?“

Unity ist durch und durch ein Wesen, das sich darüber definiert, andere Spezies zu assimilieren. Und dennoch besteht in ihm dieser innere Drang, nicht allein zu sein, sich von Rick abgrenzen zu können, ihn nicht zu einem Bestandteil von sich selbst zu machen. Jerry und Beth hingegen sind schon so lange zusammen, dass sie sich in ihrer Beziehung nahezu verlieren. Sie streiten sich über banale Dinge und schreien sich stundenlang an, sodass erst ein Außerirdischer sie an ihr menschliches Mitgefühl erinnern muss. Eine Beziehung, die nicht von einer Seite kontrolliert wird, ist wesentlich schwieriger aufrecht zu halten, weil die unterschiedlichen Auffassungen zu Konflikten führen. Aber anscheinend sind es diese Konflikte, die wir haben wollen, denn ansonsten bemerken wir, dass wir zum Schluss nur mit uns selbst reden.

Rick zerbricht an der Trennung mit Unity. Während die Beziehung zwischen Jerry und Beth sich darüber retten lässt, dass sie beide Rücksicht aufeinander nehmen, weil sie im Prinzip einfach glücklich miteinander werden wollen, kann Unity keine Rücksicht auf Rick nehmen, da dieser nur dazu beiträgt, dass sich Unity selbst aufgeben muss. Rick versteht das sicherlich und versteht deshalb auch, warum er wahrscheinlich niemals mit Unity zusammen sein kann, obwohl er Unity liebt.

Ergo: