Das Mädchen und der Wald

Eigentlich ist diese Geschichte nur entstanden um ein Mädchen zu beeindrucken. Nicht unbedingt der schlechteste Grund ein Märchen zu verfassen. Natürlich bin ich nicht ganz zufrieden damit. Ich brauche zu lange um zum Schluß zu kommen und auch so sind einige Formulierungen wieder mehr als holprig. Aber am Ende ist es eine gute Geschichte, dafür dass ich sie mir im Stegreif überlegt habe. Das Mädchen war am Ende übrigens ganz zufrieden damit. 

Es war einmal im Dorf. Es war kein großes Dorf und es lag mitten an der Grenze zu einem gigantischen Wald. Natürlich lebten die Leute vom Jagen und Sammeln, doch versuchten sie nie zu tief in seine Pfade zu wandern. Man wusste ja nie, welche Gefahren dort lauerten. Doch in einer der stürmischten Nächte, die das Dorf je erleben musste, kam ein Mädchen zur Welt, wie sie noch nie im Dorf geboren wurde. Je mehr sie heranwuchs, desto mehr wurde klar, dass sie eigentlich  für ein kriegerisches Leben bestimmt war, nur war sie leider in einem kleinen friedlichen Dorf geboren. Ihre Knie waren stets aufgeschürft, ihre braunen Haare stets verdreckt und ungekämmt. Als die Frauen ihr das Korbflechten beibringen wollten, flechtete sie sich sogleich einen Köcher für ihre Pfeile. Als man ihr zeigen wollte, wie sie für ihren zukünftigen Mann kochen sollte, konzentrierte sie sich lieber auf den anatomischen Aufbau der Schlachttiere und suchte nach ihren Schwachpunkten. Unter ihrem Bett hatte sie ein Kästchen, wo sie die ausgeschlagenen Zähne der anderen Dorfkinder aufbewahrte. Irgendwann gaben ihre Eltern und der Rest des Dorfes auf, aus ihr eine Frau für Haus und Hof zu machen und ließ ihren Willen freien Lauf.
Eigentlich war sie ständig in Bewegung, stieg auf Bäume, schwamm in Flüßen und grub nach allerlei Käfern und Getier. Nur Nachts am Lagerfeuer saß sie still, wenn die Dorfältesten von den mystischen Tieren erzählten, die angeblich in den tiefsten Tiefen des Waldes leben sollten. Onyxhirsche mit schwarzen glänzenden Hufen und Geweih, so groß, dass sie ganze Tannen mit ihren Schaufeln umwerfen konnten. Fenchelvipern, die meterlang und giftig waren, deren Schuppen in der Sonne wie Smaragde leuchteten. Aber am liebsten hörte das Mädchen die Geschichte vom gigantischen Taurenbären, der das krumme Horn eines Widders trug und mit seinen riesigen Pranken ganze Wolfsrudel erschlagen konnte. Es waren Legenden und Geschichten, aber das Mädchen schwor sich diese Tiere zu jagen und zu erlegen, da sie wie die Herausforderung wirkten, die sie ihr ganzes Leben lang suchte.
Mehrere Sommer und Winter lang ging das Mädchen bei den besten Jägern des Dorfes in die Lehre, baute sich Messer und Bögen, lernte die Flora und Fauna der Waldgrenze kennen. Als sie meinte, genug gelernt zu haben, beschloss sie tief in den Wald zu wandern, und mit den erlegten Kreaturen wiederzukehren. All das Flehen ihrer Eltern konnte sie nicht vom Gegenteil überzeugen. Das Mädchen ging und die Tage und Nächte hielten ihren steten Einzug in das Dorf.
Nachdem mehrere Wochen vergangen waren, begangen die Eltern ihre Tochter zu besingen und baten die Götter darum, ihr Kind doch wieder zurückzubringen. Erst nachdem die Blätter an den Bäumen langsam ihre grüne Farbe gegen rote und braune Farben tauschten, tauchte an der Lichtung des Waldes eine Gestalt auf. Ein Arm war in eine Schlinge gewickelt und die Person zog eine Trage hinter sich her. Darauf lag ein erlegter Onyxhirsch, mehrere Pfeile steckten noch in seinem großen Körper. Es war das Mädchen. Ihr Gesicht war geschunden, aber sie grinste breit, als ihr die ersten Dorfbewohner entgegenliefen. Das Dorf feierte ausgelassen ihre Rückkehr, mit Tanz, Gesang und herzhaften Hirschbraten. Der Dorfälteste ernannte das Mädchen zur größten Jägerin des Dorfes. Das Mädchen blieb und ließ ihren Arm und Wunden heilen. Doch kaum konnte sie wieder problemlos Bäume erklettern und Bögen spannen, machte sie sich erneut auf in den Wald. Mittlerweile war der Herbst eingezogen und tagelang regnete und donnerte es.
Eines Nachts, als es wieder besonders ausgiebig stürmte und Wasser aus den Wolken prasselte, klopfte es an der Dorfhalle. Viele Leute hatten dort Unterschlupf und Wärme gesucht. Als man die schwere Tür öffnete, trat eine vermummte Gestalt ein, in der Hand einen prall gefüllten Sack. Die Person warf den Sack vor die Füße der Dorfbewohner und dabei klirrte es, als ob tausend Scherben auf den Boden prasselten. Ein mutiger Mann ging zum Sack und öffnete ihn. Als er hineingriff zog er die grünen schimmernde Haut einer Fenchelviper hervor, das Licht des Feuers brach sich in jeder einzelnen grünen Schuppe. Mittlerweile hatte sich die Gestalt von ihrer Kapuze befreit und zum Vorschein kam das Mädchen, im Gesicht ein wenig vernarbter als vor ihrer Reise, aber trotzdem noch breit grinsend und mit wilden Locken auf ihrem Kopf.
Erneut wurde groß gefeiert, Liedermacher widmeten ihr ganze Sonette, es wurden Banner und Tücher mit ihrem Antlitz gewebt. Doch das alles kümmerte das Mädchen nicht. Sie konnte nur daran denken, endlich diesen einen Gegner zu erlegen, der ihr ebenwürtig sein würde. Der Taurenbär. Die ersten Flocken deckten das Dorf mit einer Schicht von Schnee, als das Mädchen erneut in den Wald zog.
Der Winter zog ein ins Land und selbst die hintersten Ecken des Waldes waren von einer tiefen Schneeschicht bedeckt. Das Mädchen ließ sich nicht davon beeindrucken und machte sich tagtäglich auf die Suche nach dem Bären, oder wenigstens seinen Spuren. Ihre Vorräte waren bald aufgebraucht und das Suchen nach Nahrung war nicht gerade einfach in dieser Umgebung. Sie war kurz davor ihren Rückzug anzutreten und vielleicht bis zum Sommer zu warten um den Bären zu finden, doch selbst die Rückkehr war in dieser Witterung ungewiss
Eines Morgens wurde sie von einem grollenden Geräusch geweckt. Etwas brüllte in einer Lautstärke, wie sie es noch nie vernommen hatte. Es musste der Bär sein. Sie packte ihr Messer und ihren Bogen ein und machte sie auf den Weg. Bald schon entdeckte sie auch Spuren, doch nicht nur die des Bären, sondern auch kleinere. Schließlich blickte sie von einem Hügel auf eine kleine Lichtung. Ein Rudel Schattenwölfe war dabei ihre Beute zu umzingeln. Es war ein gigantischer Taurenbär, der mit Leichtigkeit die dreifache Größe seiner Gegner hatte. Sein Fell blutete an mehreren Stellen und ein Hinterbein schien schwer verletzt.
Das Mädchen hatte ihr Ziel erreicht. Ein Taurenbär, und sogar schwer verletzt. Hat sie erst einmal die Wölfe vertrieben, hätte sie leichtes Spiel mit ihm. Sie spannte den Bogen und legte an. Der Pfeil traf einen der Wölfe direkt in den Hals. Tot sackte er zu boden. Das restliche Rudel wandte sich sofort an den neuen Angreifer, doch der Bär nutzte die Verwirrung und mobilisierte seine Kräfte um 2 Wölfe mit einem Prankenhieb gegen die Bäume zu schleudern. Auch sie fielen tot zu Boden. Das restliche Rudel entschied nicht mit noch mehr Verlusten aus dieser Sache zu gehen und rannte tief in den Wald. Das Mädchen begann mit gespannten Bogen dem Bären entgegen zu gehen. Dieser war in sich zusammengesackt, atmete schwer und weißer Dampf stieg aus seinen Nüstern. Das Mädchen betrachtete ihn eingehend. Eines seiner Hörner war abgebrochen, seine Schnauze von alten Narben gezeichnet, es schien ein älteres Exemplar zu sein.
Langsam ging sie immer weiter Richtung Bär. Als der Bär sie ausmachte, versuchte er kurz sich aufzurichten, aber brach unter seinem eigenen Gewicht wieder zusammen. Er brüllte ein letztes Mal verzweifelt. Beide blickten sich direkt in die Augen. Dem Mädchen schien es so, als ob der Bär aufgegeben hatte, er wusste, dass er nicht mehr davon kommen konnte. Sie blickte ihm eine ganze Weile an. Dann ließ sie langsam den Bogen sinken. Ein paar Meter vor der Schnauze des Tieres nahm das Mädchen Platz. Der Bär hob seine Stirn als er neugierig beobachte, was das Wesen vor ihm da trieb.
Lange saß das Mädchen nur da und starrte auf den Bären. Das wofür sie all die Jahre trainierte, wofür sie aufstand und lebte, lag jetzt vor ihr. Sie war an ihrem Ziel. Und doch fühlte es sich nicht richtig an. Nicht nur weil er verletzt und damit im Nachteil war, sondern auch so schien ihr in diesem Moment, dieses Tier viel zu schön und viel zu bedeutend um ihm so einfach das Leben zu nehmen. Was sollte sie nun tun? Das Tier von seinem Leid erlösen? Heimkehren? Sie war ratlos. 
Nach einiger Zeit stand das Mädchen auf und ging. Der Bär beobachtete sie , wie sie hinter dem Hügel verschwand und senkte seinen Kopf wieder auf den Boden. Nicht mehr lang und er könnte endlich den langen Schlaf schlafen.
Der Bär hatte seine Augen geschlossen und war eigentlich schon sicher den langen Schlaf gefunden zu haben, als er durch ein Rascheln vor ihm geweckt wurde. Das Wesen war wieder da, doch diesmal hatte sie Beutel und noch mehr Dinge dabei. 
Das Mädchen hatte ihr Lager abgebaut und nahm es mit zum Bär. Sie wusste noch nicht genau was sie da tat, aber es fühlte sich gerade richtig an. Erst spannte sie ihre Felle an den Bäumen um sich und den Bären einen Schutz vor dem Schnee zu geben. Jedes Mal wenn sie sich dafür den Bären nähren musste, knurrte und brummte er laut.
In ihren Beuteln fand das Mädchen noch ein wenig Trockenfleisch. Es nahm einen Bissen und legte den Rest vorsichtig in die Nähe der Bärenschnauze. Anfangs vernahm sie nur das übliche Gnurren, doch bald kam aus den Nüstern ein deutliches Schnuppern und mit einer schnellen Bewegung war das Fleisch im Maul des Bären verschwunden. Er schnupperte in der Hoffnung noch etwas übersehen zu haben und sackte dann enttäuscht in sich zusammen.
Als die Nacht hereinbrach machte sie das Mädchen daran Hölzer zu sammeln und baute sie in der Mitte vor sich und dem Bären auf. Der Bär beobachtete interessiert das Treiben. Doch als das Mädchen sich daran machte das Feuer mit ihren Zündzeug zu entfachen, versuchte der Bär panisch sich aufzurichten und sich von dem Feuer zu entfernen. Das Mädchen hob beschwichtigend die Hände und ging langsam auf den brüllenden Bären zu
Der Bär versuchte sich mühsam auf seine Vorderpfoten zu stemmen um sich vor dem Mädchen aufzurichten. Langsam bewegte sich das Mädchen mit einer Hand vor, kurz davor die Schnauze zu berühren. Erst hörte sie noch das Knurren, dann ein langes Schnauben. Mit einer mutigen Bewegung berührte das Mädchen die Schnauze des Bären. Er weichte nicht zurück. Langsam begann sie ihre andere Hand auf den Kopf des Bären zu legen. Sie fühlte sein dichtes warmes Fell. roch seinen erdigen schweren Duft. Sie begann ihn langsam zu kraulen, streichelte sein Fell. Der Bär sank langsam nach unten, ein kehliges Geräusch von sich gebend.
Am nächsten Morgen wurde der Bär von einem schmerzhaften Ziehen in seinem verletzten Bein geweckt. Als er seinen Kopf nach hinten drehte sah er das Mädchen wie es damit beschäftigt war, Kräuter und Stoffe um seine Wunden zu legen. Er brüllte und versuchte sich zu winden, aber das Mädchen ließ sich davon nicht beeindrucken. Erst als sie alles sicher verknotet hatte, ließ sie ab von ihm.
Die nächsten Tage verbrachten sie beide in Stille vor dem Feuer, ab und zu verschwand das Mädchen um dann einen Tag später mit erlegten Rehen oder Kaninchen zurückzukehren. Der Bär fühlte, wie sein Körper zu neuen Kräften kam, sein Beine wieder langsam sein Gewicht tragen konnten. Immer wieder stand er kurz auf, drehte sich im Kreis, leckte sich sein Fell oder schnupperte ein wenig im Schnee, um nach kurzer Zeit sich wieder in der Nähe des Feuers legen. 

Der Winter lag in seinen letzten Tagen als der Bär merkte seine alte Kraft erreicht zu haben. Er zog und biß an seinen Umschlägen und befreite sich nach einem langem Kampf. Das Mädchen beobachtete ihn dabei schweigend. Er bewegte sich auf sie zu, schnupperte an ihrem Gesicht und begann dann seinen schweren Kopf an ihr zu reiben. Sie wurde von dem Gewicht auf den Boden gedrückt, doch begann erneut seine Lieblingsstellen hinter den Ohren zu kraulen. Er sah sie ein letztes mal lang an, drehte sich um und ließ ein gigantisches und majestätisches Brüllen von sich. Dann verschwand er mit schweren Schritten langsam im Wald . Das Mädchen sah ihm noch lange nach, und begann dann ihr Lager abzubauen. Sie atmete die kalte frische Luft ein und schloss die Augen. Dann ging sie in eine andere Richtung als der Bär. Aber auch tiefer in den Wald.  


Konstruktiv: Fotografie

Nachdem ich nun das erste Projekt abgeschlossen habe, fühle ich mich ein wenig freier, um über die kommenden Arbeiten zu sprechen. Und zwar beschäftige ich mich in den kommenden Tagen vermehrt mit der Fotografie. Ich habe mir vorgenommen, meine Kenntnisse aufzufrischen und meinen generellen Prozess zu überarbeiten.

Während ich bisher immer relativ unabhängig von konkreten Motiven und Planungen gearbeitet habe, möchte ich mich nun darauf konzentrieren, mehr vorzubereiten und darüber nachzudenken, wie ich bestimmte Szenen umsetze. Das bedeutet, dass ich Vorarbeit leisten muss: Ich muss Licht planen, ich muss mir genaue Orte heraussuchen und ich möchte meine Erkenntnisse für die Wiederverwendung aufzeichnen.

Als Themen habe ich mir die Nacht, Alltagsperspektiven und Porträts herausgesucht. Das klingt erst einmal ziemlich gewöhnlich, aber ich habe schon lange Zeit nicht mehr fotografiert, sodass ich mich vordergründig mit den Grundlagen beschäftige, um diese dann zu perfektionieren. Das heißt, dass ich meine Technik auflisten und überprüfen werde. Ich werde meine Webseiten in Bezug auf Fotografie überarbeiten. Ich werde Lichttechniken vorstellen und versuchen umzusetzen. Und zum Abschluss werde ich neue Fotografien machen und online stellen!

blues: Was bedeutet es, zu gewinnen?

Ich habe bemerkt, dass es mir schwerfällt, mich auf soziale Beziehungen zu konzentrieren, wenn ich mich mehrere Tage mit dem Programmieren beschäftigt habe. Allgemein fühlt sich die Wirklichkeit komisch an, wenn sich die Gedanken einen Großteil der Zeit darum drehen, verschiedene Spielprozesse nachzuvollziehen, die sich als Koroutinen möglichst wenig gegeneinander im Weg stehen sollten. Und dann fühle ich mich eben in Bars deplatziert, weil sich meine Gedanken so sehr an dieser einen Sache festgebissen haben.

Doch gerade wenn ich am Ende einer Arbeit stehe, ist da dieses Gefühl von Reibungslosigkeit. Man könnte es vielleicht am ehesten mit dem Wuseleffekt aus den Siedler- oder Anno-Spielen vergleichen. Es gibt einem diese innere Ruhe von Kontrolle und Sicherheit in einer Welt, die sich vor allem über Verständnislosigkeit definiert. Und aus dieser Situation herausgerissen zu werden, sich wieder in seine Rolle als tollpatschiges kommunikatives Individuum hineinfühlen zu müssen, ist einfach unangenehm.

Es gehört zum Leben dazu, sich ständig mit schwierigen Situationen auseinandersetzen zu müssen und zu scheitern. Aber ich mag das Scheitern nicht und versuche es deshalb soweit zu minimieren, dass ich in den Situationen, in denen es darauf ankommt, möglicherweise zu lange zögere. Und wirklich ablegen könnte ich das nur, wenn ich ein kohärentes Bild von mir aufbaue. Aber dadurch, dass es so lange dauert, die Zusammenhänge zu verstehen und sie eben nicht bei nächster Gelegenheit wieder zu vergessen, weiß ich nicht so wirklich, auf was ich mich festlegen soll.

Ich verstehe, wie ein Bild aufgebaut sein muss, damit Menschen davon mitgerissen werden und ich weiß, warum die Sonne scheinbar rötliches Licht abgibt, wenn sie sich am Abend dem Äquator annähert. Ich weiß, dass ich lernen muss, bessere Geschichten zu erzählen, wenn mir Menschen zuhören sollen. Und doch verliere ich in Unterhaltungen schnell das Interesse, weil mir dieses Gehabe so egal ist. Trotzdem wünsche ich mir, dass sich andere Menschen wohl fühlen und nicht mit für sie bedeutungslosen Fragmenten aus meinem Leben gelangweilt werden. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen wohlfühlen, ohne dass da dieses Gewicht einer Erwartung auf ihnen lastet.

Doch kommen wir zum Wichtigen: Das Spiel ist fertig. Und ich bin restlos zufrieden. Ein Spiel über den Umgang mit Trennung; in einem C64-Stil, abstrakt und emotional. Es hat mich einige Überwindungen gekostet, aber ich bin glücklich, dass es genau so geworden ist. Ich kann mir vorstellen, dass der Grafikstil für einige eher gewöhnungsbedürftig sein könnte und dass sich viele eher etwas anderes unter einem Spiel vorstellen. Lasst euch dennoch nicht davon abhalten, denn genau das ist es, was das Medium auch sein kann! Eine Möglichkeit, Geschichten auf eine Weise zu erzählen, die eben ungewohnt ist und nicht in ein gewöhnliches Muster hineinpasst.

Gerade eben bin ich in Jena und werde deshalb erst morgen weiter machen. Für den nächsten Artikel habe ich deshalb geplant, einfach einen Überblick über die kommenden Veröffentlichungen zu geben. Bleibt gespannt!

blues: Handlungsfortschritt, Trigger und so weiter

Die Entwicklung schreitet voran: Mittlerweile können Spieler mit der Umgebung interagieren und Texte werden dynamisch geladen und animiert. Ich arbeite deshalb gerade an einem System, mit dem ich über die Handlung gleichzeitig auch Befehle an die Spielumgebung schicken kann, sodass auch zeitabhängige Entscheidungen möglich werden. Heute haben mich vor allem aber die Überlegungen zum Handlungsfortschritt beschäftigt: Wie lange soll eine bestimmte Textzeile angezeigt werden? Wie baue ich Pausen im Textverlauf ein? Ich musste mir einen Übersetzer bauen, der meinen Datensatz an Dialogzeilen so einbaut, dass ich damit im Programm arbeiten kann.
Weiterhin habe ich mich heute mit Triggerzonen beschäftigt. Damit kann der Spieler an konkreten Positionen bestimmte Effekte auslösen. Dabei hat es sich grundsätzlich nur um einfachen Verständniskram gehandelt, mit dem man sich aber auseinandersetzen muss, wenn man eine Programmiersprache noch nicht so gut beherrscht und noch nicht versteht, wie diese Dinge zueinander in Beziehung stehen.
Da ich aber gerade ziemlich drin bin, werde ich heute noch ein wenig länger arbeiten als gewöhnlich und dann morgen etwas ausführlicher auf den Fortschritt eingehen!

blues: Von Serien, Minimalismus und Bewegtbildern

Der zweite Tag meines Arbeitens geht vorüber und ich fühle mich ein wenig ausgelaugt. Aber weniger wegen der Entwicklung, als vielmehr aufgrund einer Diskussion mit Martin über die Bedeutung von Serien. Und ich muss ehrlich sein, ich bin kein großer Freund vom klassischen Serienformat. Das bedeutet nicht, dass ich Serien nicht generell auch etwas zutraue, aber ich glaube, dass viele der heute entstehenden Serien (inklusive Game of Thrones, Breaking Bad und dem ganzen anderen überkrassen Hammerzeug) ihr Potenzial nicht nutzen. Also schaue ich mit Martin zusammen die erste Folge von Shameless und fange kurz danach an, mich heftig zu echauffieren.

Die Serie tendiert dazu, lediglich die Wirklichkeit reproduzieren zu wollen, anstatt sie dort anzugreifen, wo es wehtut. Und während ich bei Filmen absolut kein Problem damit habe, wenn mir hin und wieder oberflächliche Unterhaltung beschert wird, führt das bei Serien zunächst einmal zu einer Ernüchterung. Ich möchte schließlich nicht immer und immer wieder mit den gleichen Charakteren die gleichen Situationen durchmachen müssen, mit vielleicht geringfügig anderen Beziehungsverhältnissen. Ich möchte auch nicht zehn Mal hintereinander sehen, wie Frodo den Ring ins Feuer wirft oder zehn Mal der Todesstern zerstört wird.

Wenn ich die erste Folge von Shameless für sich bewerten müsste, wäre sie vollkommen okay. Ein paar „krasse“ Momente, zum Beispiel mit dem Mädchen, das bei der Nachhilfe anfängt, einem der Charaktere einen zu blasen. Oder der nette, gebildete Typ, der sich am Ende als Autodieb herausstellt. Natürlich sind das Fantasien, aber um Aufmerksamkeit zu erhaschen, ist das schon okay. Aber dennoch, wenn ich mir vorstelle, so etwas immer wieder aufgetischt zu bekommen, frage ich mich, welche Rolle diese Fantasien dann in meinem Leben übernehmen würden. Ist es immer noch okay, wenn gezeigt wird, wie der durch den Alkohol auf dem Boden schlafende Vater von cooler Musik begleitet wird? Oder wie man halt einem Typ ins Gesicht schlägt, weil er die Ehre von mir und dem Mädchen, das ich beeindrucken will, verletzt hat?

Ich möchte auch nicht nur Beziehungskram auf Beziehungsebene besprochen sehen. Ich wünsche mir, dass die Erfahrungen isoliert betrachtet werden und nicht alles in einem endlos aufgeladenen Gespräch zwischen den Protagonisten resultiert, das nur davon handelt, wie sich jetzt ihre Beziehung verändert hat. Aber das ist natürlich Wunschdenken. Vielleicht sollten sich realitätsbezogenere Serien mal eine Scheibe von Animes oder Zeichentrickserien abschneiden, bei denen es einige heutzutage schaffen, Atmosphären aufzubauen, die sich nicht nur über Coolness und Krassheit definieren.

Und nachdem ich mich jetzt schon zum zweiten Mal in einer Diskussion über Serien verloren habe, möchte ich doch noch ein wenig über blues sprechen. Und zwar möchte ich ein wenig vom grafischen Stil des Spiels erzählen, weil dieser möglicherweise aus heutiger Sicht etwas deplatziert wirken könnte. Ich orientiere mich stark an frühen C64-Spielen, deren grafische Leistung hardwaremäßig natürlich eingeschränkt gewesen ist, die aber gerade dadurch auch ihren eigenen Charme aufbauen konnten. Der Grafikstil ermöglicht es weiterhin dem Spieler, eine eigene Vorstellung von den Charakteren aufzubauen, ohne von äußerlichen Vorurteilen geleitet zu werden. Gerade in Bezug auf eine Handlung, die sich auf ein einziges Gespräch konzentriert.

Ich weiß nicht genau, inwiefern ich die grafischen Elemente noch erweitern möchte, da ich mich immer noch darauf konzentriere, eine klar definierte Geschichte zu erzählen. Was mich allerdings sehr interessiert, sind mögliche Animationen, um dem ganzen noch ein wenig mehr Leben zu verleihen. Blenden, Textveränderungen, Umgebungsbewegungen, etc. Aus diesem Grund habe ich Lust, mich morgen über Animationen und ihre Bedeutung zu unterhalten. Und vielleicht bin ich dann schon so weit, dass ich über das Durchlaufen der Handlung berichten kann.

blues: Erwartungen nicht mehr enttäuschen

Der erste Tag ist vorüber und alles in allem fühlt sich das sehr, sehr gut an. Ich habe ein bisschen programmiert, an einigen Dialogen geschrieben. Und ich arbeite nun also ganz offiziell an meinem ersten Computerspiel. Was für ein merkwürdiges Gefühl. Und es wird wohl noch merkwürdiger. Doch bleiben wir erst einmal auf dem Teppich und reden über blues.

Das Spiel handelt von einem Trennungsgespräch. Ihr befindet euch mit eurer liebsten Person in einem Raum und müsst entscheiden, wie ihr damit umgehen wollt. Gibt es eine Chance, die Person davon zu überzeugen, dass das vielleicht doch noch klappt, mit der Beziehung? Oder ist die Liebe für immer verloren? Die Spielwelt ist auf das absolut Wesentliche reduziert und es geht um den Moment, das Gefühl: Wie gehen wir mit Situationen um, die wir falsch eingeschätzt haben?

Ich möchte das Spiel bereits am Ende der Woche herausbringen und werde bis dahin jeden Tag etwas über das Voranschreiten berichten. Heute möchte ich noch etwas über die Entwicklung der Handlung erzählen und warum ich mich dazu entschlossen habe, alles auf Englisch zu schreiben.

Die Handlung und das gesamte Spiel sind sehr kurz. Ich würde sogar sagen, dass man es in maximal 5 Minuten komplett durchspielen kann. Doch gerade bei solchen Spielen ist es eine besondere Herausforderung, Texte zu schreiben, die einen mitreißen können. Für blues habe ich mir deshalb überlegt, dass ich eine klare Perspektive haben möchte. Ich möchte, dass der Spieler sich in eine Situation hineinversetzt, die ihn unangenehm berührt und die immer unangenehmer wird, je länger er sich mit ihr auseinandersetzt. Da das Gespräch gleichzeitig zu den Spielerhandlungen geschieht, muss sich der Spieler zusätzlich auch noch entscheiden, ob er sich entweder auf den Text oder auf seine Aktionen konzentriert. Möglicherweise entsteht gerade aus dieser unangenehmen Berührung, aus diesem Kontrollverlust, dann eine Sympathie für die Perspektive anderer Menschen.

Für einen englischen Text habe ich mich aus zwei Gründen entschieden: Zum einen möchte ich das Spiel so zugänglich wie möglich gestalten, was eine Veröffentlichung und Auswertung auch auf englischsprachigen Webseiten ermöglicht. Zum anderen hat die englische Sprache einen gewissen Hang zur Kürze, was eindeutig zur Situation der beiden Personen passt und es mir erlaubt, die Mündlichkeit des Textes hervorzuheben.

Das war es schon für heute. Morgen geht es dann um das minimalistische Design des Spiels und es gibt ein paar Bewegtbilder!

Konstruktiv

Willkommen zum alltäglichen Wahnsinn! Konstruktiv heißt die gute Show und es geht darum, im Februar und im März, etwas Neues anzufangen. Die Prüfungen sind vorbei und ab jetzt heißt es: wieder kreativer sein. Nachdem ein Großteil des vergangenen Jahres ohne Veröffentlichungen verstrichen ist, sollen jetzt wieder Filme entstehen, Musik komponiert und auch ein Computerspiel erdacht werden.

Damit nicht genug: Ab dem 16. Februar werden hier täglich neue Beiträge über die Fortschritte erscheinen, und ich werde die verschiedenen Projekte der Reihe nach vorstellen und besprechen. Dabei unterstützen mich Johann und Martin beim Musik machen, Marcel und Hermann und Felix beim Filmdreh. Wilhelm soll irgendwas über Filme und/oder Serien schreiben! Jonathan macht sowieso was er will. Mehr Motivation, weniger Zynismus!

Und immer noch nicht genug: Ich lade euch dazu ein, selbst konstruktiv zu sein und an Projekten zu arbeiten, für die ihr euch möglicherweise ansonsten zu wenig Zeit nehmt! Fangt an zu häkeln, schreibt über eure Pilzsammelleidenschaft! Macht Chiptune-Musik! Lang genug haben wir Let’s Plays geschaut und Serien vergöttert. Experimentiert mit eurem Alltag! Macht Kunst und fragt später!

Und falls ihr Lust habt, bei einem meiner Projekte mitzumachen, meldet euch einfach per E-Mail bei mir: henry[at]herkula.info! – xesier.de / henry.herkula.info

Gedichtvortrag

Ich weiß nicht, warum ich in mir so eine Abneigung gegen Poetry Slams verspüre. Aber sie ist eindeutig vorhanden. Ja, auch als angehender Literaturwissenschaftler. Und ach, ich weiß doch auch nicht. Ich müsste das eigentlich mögen: Experimentelle Sprachspiele, Alltagserzählungen und vorgetragenes Gedichtszeug. All diesen Kram eben. Aber dann fühle ich mich doch unwohl und jedes Mal, wenn ich eine Aufzeichnung von diesen Veranstaltungen sehe, fällt es mir schwer, den Vortragenden auch nur eine Sekunde zuzuhören.

Vielleicht ist mir ja dieser permanente rebellische Unterton suspekt. Ich möchte keine gesonderte Veranstaltung, auf der ich mich mal kurz antiautoritär verhalten darf, damit ich dann den Rest des Jahres die Schnauze halte. Keine Ahnung, ob das bei den meisten Leuten so ist. Aber das ist das erste, woran ich denken muss, wenn jemand versucht, mir auf einer Bühne zu erklären, was es so für komische Menschen gibt.

Aber auch dieses generelle Bühnen-Getue ist mir unangenehm. Ich möchte keine Wörter in einer komischen Aussprache wiederholt haben. Nein. Ich möchte, dass die Leute ehrlich mit sich selbst sind und Unsicherheiten zeigen. Aber Unsicherheiten verkaufen sich nicht so gut vor anderen Menschen. Schon klar. Ne, lieber kleine politisierte Markus-Lanz-Witze machen und auf der sicheren Seite stehen.

Ich habe auch generell so ganz merkwürdige stereotype Bilder von Slammern. Das eine schlimmer als das andere. Und ja, ich schäme mich dafür. Aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Da ist für mich einer, der übelst krasse Lines runterrattert und zum Schluss klatschen alle. Dann noch das Bild von der Studentin, die jetzt mal ihre ganze politische Agenda rezitiert und zum Schluss klatschen alle. Und dann noch den Witzbold, der über sein Äußeres und seine Alltagserfahrungen redet, am besten noch über Alltagsrassismus, den er hin und wieder erlebt. Und zum Schluss klatschen alle. Und schön, dass alle klatschen und lachen. Aber für mich ist das mehr Karneval als irgendwas anderes.

Geschichten zu erzählen ist eine wunderbare Sache. Aber jedes Mal, wenn ich mir einen Poetry Slam anschaue, vergeht mir die Lust an den Erzählungen. Ich will keine neuen jungen Stand-Up-Comedians, die sich dagegen wehren, von der Gesellschaft instrumentalisiert zu werden, während sie verzweifelt versuchen, alle Einnahmen von ihren Mitbewohnern im Wohngeldantrag fürs Bürgeramt zusammenzutragen.

Ich möchte die Menschen auch nicht zum Lachen bringen, wenn sie eigentlich mitfühlen sollten. Ich möchte kein Theater, wenn Menschen auf einer Bühne stehen. Ich wünsche mir eine Geschichte, an dessen Ende ich weinen darf. Nicht weil ich die Vortragsweise beeindruckend fand, sondern weil die Menschen für einen Moment lang ehrlich zu mir waren.

Unfertig

Mein Leben wirkt auf mich manchmal wie eine große Baustelle, dessen Grundriss ohne Begründung alle paar Monate überarbeitet werden muss. Und wie das manchmal so ist, befindet man sich plötzlich hinter dem Zeitplan. Dabei müsste man doch schon längst wenigstens das Fundament gegossen haben, oder so etwas in der Richtung. Aber es hilft nichts, denn man findet selbst immer wieder neue Löcher im Konstrukt. Und die Zeit vergeht, während man sich immer noch damit beschäftigt, in welcher Farbe die Tapete im nicht einmal ansatzweise vorhandenen Wohnzimmer erstrahlen soll.

Der Versuch eines perfekten Lebens erscheint mir von Tag zu Tag fahrlässiger. Aber sollte ich deshalb aufgeben, danach zu streben? Was bedeutet perfekt in diesem Zusammenhang überhaupt? Handelt es sich um eine Übereinstimmung mit den eigenen Werten, die sowieso jeden Tag durch alles Mögliche ins Wanken geraten? Oder ist es eher der Wunsch nach einer tadellosen Lebensgeschichte, die wir für andere aufbereiten können, in Form von Reiseabenteuern, Liebesaffären und gefährlichen Mutproben? Perfekt scheint ein vollkommen unangebrachtes Wort zu sein, wenn man versucht, sein Leben zu gestalten, denn anscheinend spiegelt es nur die Wünsche anderer in uns selbst wider.
Möglicherweise bezeichnet aber ein perfektes Leben auch einfach den Zeitraum, den wir mit den schönen Dingen verbringen können, ohne Gedanken daran zu verschwenden, ob diese überhaupt zu uns passen. Wir fragen also nicht mehr, inwiefern etwas zu unser selbst konstruierten Persönlichkeit gehören darf, sondern wir schauen, dass uns die schönen Dinge nicht entwischen, wenn wir sie einmal identifiziert haben.
Doch was sind die schönen Dinge? Lassen sie sich wie Briefmarken sammeln, aufbewahren und wieder hervorholen? Oder sind sie generell eher kurzlebig und deshalb nur für unsere Erinnerung bestimmt? Meine Baustelle hat darauf noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden. Aber vielleicht muss sie das auch nicht, solange ich die schönen Dinge wenigstens für mich selbst erkennen kann. Dementsprechend sollte es jedem selbst überlassen bleiben, was diese schönen Dinge für ihn sind, denn sonst befinden wir uns wieder am Anfang, bei dem andere Menschen ohne Zustimmung über den Grundriss unseres Lebens bestimmen.

Hüterin

Und auch in dieses Jahr wirst du mich begleiten. Es gab Momente, da hab ich dich gehasst, es gab Momente da warst du mir egal, aber eigentlich hab ich immer gewusst, dass ich dich brauche.
Dabei bist du nur aus den Liebeskummer eines 18 jährigen Jungen geboren, der dachte die eine Richtige getroffen zu haben. Und selbst als er sich nach Jahren sicher war, damit falsch gelegen zu haben, bliebst du. Und als du mich Jahre später in einer Herbstnacht überraschtest, brachst du mir das Herz.  Und anscheinend schafftest du es bei einem Anderen es zu heilen. Seitdem habe ich mich vor dir gehütet. Ich wusste wozu fähig warst. Nur im Winter, da lass ich dich rein. Nicht lang. Für einen Tag, vielleicht auch zwei. Um zu kontrollieren, ob ich überhaupt noch fühle, denn wenn du nichts mehr in mir auslöst, dann kann es niemand. 
Gestern kamst du wieder an. Während der Zugfahrt. Kurz dachte ich es wäre wegen ihr, aber mir war klar, dass es dafür noch viel zu früh war. Du wolltest schauen wie es mir geht. Und ich fühlte wieder was. Es war aber kein Schmerz, viel eher nahmst du ihn mir, gabst mir so etwas wie ein Versprechen, dass wenn es wieder soweit ist, und all das wieder nach oben kommt, wirst auch du da sein. Um ihn zu bändigen, in Bahnen zu lenken und dann mit der Zeit zu verlieren. Du bist kein Schmerz, du bist seine Hüterin.