Lernen: You Are Not So Smart – Brand Loyalty

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.

Wir tendieren dazu, unsere Ausgaben zu verteidigen, auch wenn wir nicht erklären können, warum wir uns für sie entschieden haben. Jede dieser Entscheidungen ist mit Gefühlen verbunden, die sich verstärken, wenn wir eine feste Verbindung aufbauen, zum Beispiel in Form von Besitz.

Wir streiten darüber, ob Xboxen oder Playstations, PCs oder Macs, Coca Cola oder Pepsi besser sind. Wir fangen an, auf Reddit darüber zu diskutieren, versuchen Vergleiche zu ziehen und uns zu rechtfertigen. Selbst wenn wir etwas geschenkt bekommen, bauen wir eine emotionale Beziehung dazu auf.

Folgen: Doch warum verteidigen wir diese Dinge? Sind sie ein Ersatz für unsere familiären Gefühle? Ich denke, dass wir darauf achtgeben sollten, nicht mehr so intensiv für unsere Gegenstände zu argumentieren und lieber das Positive mit anderen zu teilen.

Naive Fragen für ein besseres Leben

Warum fangen wir irgendwann an, Fragen zu stellen? Weil uns merkwürdige Begebenheiten auffallen, die wir nicht erklären können? Weil die Welt plötzlich immer komplizierter wird und uns über den Kopf steigt? Oder weil wir, wenn wir allein sind, nicht mit uns selbst klarkommen? Was bringt uns dazu, unsere Menschlichkeit zu erkunden? Was treibt uns plötzlich an, kein Rädchen mehr in der großen Maschine sein zu wollen?

Ich habe angefangen, mich für Philosophie zu interessieren, als ich mit 13 Jahren das Gefühl hatte, bereits alles gesagt zu haben. Menschen sterben um mich herum. Menschen sind in endlosen alltäglichen Kreisläufen gefangen. Und trotzdem geht alles immer weiter. Hast du genug gegessen? Hast du genug geschlafen? Bist du bereit für den nächsten Schritt in deinem Leben? Immer und immer wieder dasselbe.

Doch was nützt das alles? Was nützen Fragen in dieser endlosen Gleichheit? Selbst wenn wir uns damit beschäftigten, wohin soll einen das führen? Woran wächst man, wenn es nichts zu wachsen gibt? Naturwissenschaften beschreiben alles, was unsere Bedürfnisse verlangen können. Alles darüber hinaus ist sinnlos. Und doch wollen wir nicht, dass es so einfach ist. Wir wollen nicht alles wissen. Aber es gibt keinen Ausweg. Jeder Ausweg ist eine Illusion, die dazu führt, dass wir nicht ehrlich mit uns selbst sind.

Aber diese unausweichliche Ehrlichkeit ist es, die mich so fasziniert. Lassen wir also doch mal davon ab, uns den endlosen Prozessen des Lebens hinzugeben und fragen uns etwas anderes, etwas das abseits dieser Selbsterhaltung besteht. Vielleicht lassen sich Fragen formulieren, die das Menschsein angenehmer gestalten, selbst wenn uns dessen Sinnlosigkeit bewusst geworden ist, selbst wenn wir in den Abgrund geschaut haben und uns die Dunkelheit darin in ihren Bann gezogen hat. Vielleicht hilft das.

Was und warum überhaupt? Warum wähle ich zunächst diese beiden Fragen? Warum, die Frage nach der Ursache, nach einem motivierten Ablauf, nach einer Herleitung. Was, die Frage nach dem Inhalt, der Beschreibung, der Definition. Wenn wir „was und warum?“ fragen, dann fragen wir uns, wie etwas innerhalb unserer Weltanschauung sinnvoll interpretiert werden kann? Wir suchen Wörter, die uns andere Wörter erklären. Für mich sind diese beiden Fragewörter die wichtigsten Hilfsmittel für Fragen überhaupt, weil mit jeder auf sie gegebenen Antwort ein neuer Kontext geschaffen wird.

Und deshalb sind es die ersten Fragen, die sich jeder selbst stellen sollte, wenn er oder sie sich überhaupt etwas fragt. Was ist das genau, was ich nicht verstehe? Was beinhaltet es? Was gibt es für unterschiedliche Überzeugungen davon? Und warum bin ich bisher der Überzeugung gewesen, dass die Vorstellung, die ich von dieser Sache hatte, die richtige wäre?

Warum leben wir? Was bedeutet das genau? Warum laufen verschiedene Prozesse in unserem Körper ab, die uns am Leben erhalten? Was ist Leben? Warum ist die Evolution dafür verantwortlich? Was gibt es für Konzepte, die die Welt beschreiben? Warum brauchen Menschen ein Verständnis von der Funktionsweise der Welt? Was sind Bedürfnisse? Warum wollen wir am Leben bleiben?

Wenn wir lange genug warum fragen, dann stoßen wir auf unendlich viele Probleme. Wir bemerken nicht nur, dass die Säulen, auf denen sich unser Wissen aufbaut, unglaublich wacklig sind, sondern wir werden auch genügsamer mit den Antworten, die wir von Menschen erwarten können, denn jede Antwort ist nur mit bestimmten Annahmen haltbar. Gehen wir mit diesen Annahmen nicht mit, dann hat auch die Antwort für uns kaum eine Bedeutung.

Was ist der Sinn des Lebens? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Die Fragen lassen sich nicht beantworten. Wir fragen uns diese Fragen, weil wir denken, dass wir uns selbst erkennen können, wenn wir wissen, woraus wir bestehen oder was das Ziel unserer Existenz ist? Aber eigentlich wissen wir, was unser Ziel ist. Unsere gesamte Existenz ist darauf ausgerichtet, uns am Leben zu erhalten, uns fortzupflanzen und dann das Leben unseres Nachwuchses zu erhalten. Alles andere ist Ablenkung. Mehr zu wollen, ist ein Auswuchs unserer Erkenntnis, überhaupt nach mehr fragen zu können. Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, nach einem höheren Sinn zu suchen und uns lieber darauf konzentrieren, einen Sinn mit unserem umfangreichen Wissen für uns selbst zu konstruieren.

Was macht mich glücklich? Ist das, was mich glücklich macht, das einzige, was mich glücklich macht? Warum macht es mich glücklich? Werden andere Menschen unglücklich, wenn ich das tue, was mich glücklich macht? Warum werden sie unglücklich? Was rechtfertigt, dass ich glücklich bin, wenn andere dadurch unglücklich werden? Gibt es einen Kompromiss? Muss es einen Kompromiss geben?

Mit unserem Wissen über uns selbst, über unseren biologischen Körper, über die chemischen Reaktionen in unserem Körper, Hormone, die Psychologie unseres Selbst, mit all diesen Dingen, können wir uns selbst einreden, dass es uns gut geht. Und dann geht es uns auch gut. Weil es gar nichts anderes zu geben braucht. Man kann sagen, dass alles zumindest in biologischer wahrscheinlich aber auch in physikalischer Hinsicht danach strebt, weiter zu existieren. Wenn das nicht der Fall wäre, dann würde man aussterben. Unser gesamtes Sein, also das Sein von Millionen von Jahren, besteht also bisher daraus, dass wir versucht haben, weiterzuleben. Wenn wir uns also einreden, dass das Leben schön ist, dann ist es auch schön. Nicht leben zu wollen und sich der Sinnlosigkeit des Lebens hinzugeben, sind dementsprechend Illusionen, weil die Schönheit des Lebens darin besteht, weiter existieren zu wollen.

Wie kann man also weiter existieren, so dass man glücklich ist, auch wenn man die Frage nach dem Sinn beiseiteschiebt? Vielleicht sollten wir uns fragen, was wir bisher erlebt haben? Was kann man denn überhaupt erleben? Wie können wir positive Gefühle hervorbringen? Wie können wir diese Gefühle erhalten? Was müssen wir tun, damit wir nicht taub gegenüber diesen Gefühlen werden, weil wir ihnen zu häufig ausgesetzt gewesen sind? Wie setzen wir unser Glück um?

Wenn wir diese Fragen klären können, dann können wir aufhören, darüber nachzudenken, was unser Leben so miserabel macht. Wir können aufhören, darüber nachzudenken, ob unser Leben etwas braucht. Denn eigentlich bieten Ideologien oder Religionen immer nur dieselben grundlegenden Dinge, die uns glücklich machen: ein Gefühl von Sicherheit durch das Zusammensein mit anderen ähnlich denkenden Individuen. Plus Genüsse: Schlafen, Essen, Trinken, bewusstseinsverändernde Zustände, Nähe, Sexualität. Wenn wir das begreifen, dann können wir selbst nach diesen Elementen suchen. Und wir werden glücklich, ohne dass wir uns abhängig machen müssen.

Von wem bin ich abhängig? In was für einer Gesellschaft möchte ich leben? Was kann ich aufgeben und dabei trotzdem noch glücklich bleiben? Wer hat Macht über mich? Wem vertraue ich und warum? Was erwarten andere von mir? Wie weit kann ich mich von anderen abwenden?

Eine Gesellschaft funktioniert solange, wie wir uns auf grundlegende Regeln einigen können, die uns letztendlich allen helfen, unsere Bedürfnisse so zu erfüllen, dass wir glücklich werden können. Gibt es ein zu großes Ungleichgewicht, einen fehlenden Kompromiss, bricht die Gesellschaft auseinander.

Abhängigkeit ist ein Maß dafür. Unsere Gesellschaft hilft uns dabei, Ziele zu erreichen, die wir allein, nie erreichen können. Wir können zum Beispiel jeden Tag Toast mit Butter und Salz essen, was wir auf uns selbst gestellt in unserer derzeitigen Situation nur vielleicht nach Monaten schaffen würden (Salz besorgen, Getreide anbauen, Kühe halten). Da unsere Gesellschaft allerdings so spezialisiert ist, leben wir teilweise in vollkommen anderen sozialen Welten, sodass auch andere Vorstellungen über den Ablauf des Lebens präsent sind.

Eine Gesellschaft versucht deshalb zwischen den verschiedenen Welten zu vermitteln, was natürlich unmöglich ist, ohne eine Abhängigkeit in Form von Normen und Werten aufzubauen. Ohne die Vorstellungen, die die Gesellschaft an uns heranträgt, würden wir mit dem Rest der Gesellschaft Probleme bekommen. Aus diesem Grund wünschen wir uns so häufig eine Gesellschaft, die unsere Individualität achtet, was in den meisten Fällen allerdings nur bedingt funktioniert.

Wenn wir also glücklich werden wollen, dann müssen wir uns überlegen, wie wir unsere Abhängigkeit von der Gesellschaft abbauen können, damit wir ohne ihren Druck unser Leben gestalten können. Wenn wir unsere Abhängigkeit dadurch abbauen, dass wir selbst alles für uns leisten können, dann ist das eine Möglichkeit. Wenn wir unsere Abhängigkeit abbauen, indem wir unsere Werte und Normen auf die Gesellschaft übertragen, dann ist das eine andere. Doch was wollen wir eigentlich?

Wenn wir uns all diese Fragen stellen, dann lasst uns genau darüber nachdenken, wie wir die oben genannten einfachen Bedürfnisse von allen befriedigen können. Und den Rest lassen wir jeden selbst entscheiden, solange dadurch die Bedürfnisse der anderen nicht in Gefahr geraten und übermäßig unterdrückt werden. Das ist keine einfache Aufgabe. Und es gibt auch keine einfache Antwort darauf, weil eben nicht geklärt ist, was als gerechte Aufteilung der Bedürfnisse gelten kann. Aber es ist auf jeden Fall ein Anfang, der uns eine individuellere Suche nach unserem Glück ermöglicht.

Lernen: You Are Not So Smart – Apophenia

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.


Wir suchen Bedeutung in zufälligen Ereignissen, weil diese uns möglicherweise Zusammenhänge offenbaren, die uns schützen können. Wir nehmen bestimmte Muster und Geschichten wahr und interpretieren diese im Zusammenhang mit unserer Persönlichkeitsentwicklung.
Eine ausgeprägte Neigung zu diesem Phänomen führt zu einer übermäßigen Verknüpfung von alltäglichen Ereignissen mit eigenen Überzeugungen: Es muss doch etwas Besonderes sein, dass ich meinen Geburtstag mit so vielen meiner Lieblingsberühmtheiten teile, obwohl man seinen Geburtstag natürlich mit Millionen von Menschen auf der Erde teilt. Oder die Zahl 23 muss doch irgendeine besondere Bedeutung haben, wenn sie an den verschiedensten Stellen in meinem Leben auftaucht, auch wenn die Zahl nur bedingt häufiger auftritt, als andere Zahlen.
Folgen: Eine abschließende Suche nach Bedeutung ist immer zum Scheitern verurteilt, wenn man sich mit den Antworten nicht irgendwann zufrieden gibt. So kann ich jeden Zusammenhang immer hinterfragen und ihn in seiner Bedeutung anzweifeln. Wenn wir uns jedoch vollkommen gegen eine Bedeutungsfindung stellen, dann können wir gar nichts erklären. Ich denke aber, dass es sinnvoll ist, bestimmten Geschichten zu vertrauen, um sachkundige Aussagen treffen zu können. Wenn wir zum Beispiel einen Ball fallen lassen, dann gehen wir davon aus, dass uns die Wissenschaft sagt, dass er nach unten fallen sollte. Vielleicht sollten wir deshalb darauf achten, dass wir lediglich versuchen, gute Argumente für unsere Überzeugungen zu finden.

Glück hinterfragen

Das, was uns gut tut, das was uns Spaß macht, ist das, worauf wir zurückkommen. Wir essen leckeres Essen, weil es lecker ist, weil es unseren Gewohnheiten entspricht und diese Gewohnheiten ein bestimmtes Muster angenommen haben, das wir genießen können. Ansonsten könnten wir uns sicherlich auch nur von verschiedenen Pasten und Wasser ernähren. Und vielleicht sollten wir das auch tun, wenn es uns darum geht, unser Leben zu verlängern. Dann würden wir auf die Lebensmittel verzichten, die unsere Körperfunktionen einschränken.

Doch wir tun es nicht. Wir machen uns in den meisten Fällen nicht einmal ansatzweise so viele Gedanken darüber, wie wir es möglicherweise tun sollten. Wie ernähren wir uns? Hauptsache gesund? Eigentlich nicht. Hauptsache lecker, ohne zu übertreiben. Hauptsache Spaß, ohne die Kontrolle zu verlieren. Auf jeden Fall nicht zu viel. Das ist eher das Motto, das ich vorschlagen würde. Das, was uns gut tut, kann doch auch gar nicht falsch sein.

Und das ist auch vollkommen richtig. Wenn uns etwas gut tut, dann können wir entspannen, wir müssen nicht darüber nachdenken, wir können es genießen. Wenn wir mit Freunden unterwegs sind, uns gut unterhalten, das Glück der Gemeinschaft empfinden, dann wird sich doch wohl niemand hinstellen und sagen: Sehen Sie, Sie sind für ihr Unglück selbst verantwortlich! Wie wäre das denn überhaupt zu vereinbaren? Glück und Unglück, die aus derselben Sache entspringen?

Ich will keine lächerlichen Beispiele mit moralischem Unterton aufbauen, in denen man ja schon hin und wieder mit seinen Freunden ausgehen kann, aber eben auf sich aufpassen muss, dass man nicht plötzlich zum Alkoholiker mutiert, weil man sich jeden Samstag die Kante gibt. Mir geht es darum, dass wir uns fragen, was uns glücklich macht? Und wenn es uns glücklich macht, uns jeden Samstag die Kante zu geben, dann ist das vollkommen okay!

Glück und Unglück haben da eine starke zeitliche Komponente, die durch die subjektive Wahrnehmung geprägt ist. Was wir als Glück wahrnehmen, nehmen wir doch lediglich unter den jetzigen Bedingungen als Glück wahr. So viele Erfahrungen können die schönsten Gefühle in einem beliebigen Moment schaffen. Aber diese Gefühle verblassen und was dann übrig bleibt, gibt uns einen tieferen Einblick in unser Selbst.

Das, was mich beschäftigt, ist, ob man sich das überhaupt schon einmal gefragt hat und ob man sich damit auseinandergesetzt hat, warum diese Sachen einen glücklich machen? Und selbst wenn man keine Antwort findet, dann wächst man doch immerhin daran. Vielleicht fange ich für mich an, Vergleiche zu ziehen und frage mich, ob jedes Glück identisch ist oder ob es sich lohnt, anderes Glück zu erfahren, durch andere Ereignisse. Vielleicht kann man über den Tellerrand der vorgegebenen gesellschaftlichen Konventionen hinwegblicken, um das zu erkennen, was einem wirklich selbst gehört!

Aber das kann ich nur, wenn ich mir bewusst mache, was mich glücklich macht und warum! Und das, was mich glücklich macht, hat eben diese Macht, sich unsichtbar zu machen, zu verschwimmen und sich nicht zu melden, bis ich mich irgendwann mit den Konsequenzen herumschlagen muss. Warum mag ich Bücher? Was macht Filme toll? Warum schaue ich die neunte Staffel einer Serie? Weshalb freue ich mich über Geschenke? Warum esse ich das dritte Mal diese Woche Pizza? Warum liebe ich diese Person? Warum mag ich es zu argumentieren? Ist es überhaupt gut, so viel über alles nachzudenken? Muss ich zu allem eine Antwort finden?

Der Rhythmus der Nachrichten

Gehen wir mal davon aus, dass Nachrichten keine Verpflichtung sondern ein Zeitaufwand sind. Worüber würden wir dann gern informiert werden wollen? Über unsere Sicherheit? Über etwas, das uns alle betrifft? Über Geld, das uns verloren geht, wenn wir nichts dagegen unternehmen? Über Ungerechtigkeiten, die uns später treffen können, wenn wir nicht jetzt dagegen vorgehen? Über Entscheidungen, die getroffen werden, während wir nicht anwesend sein konnten?

Ich denke schon, dass das alles berechtigte Gründe sind, sich mit Nachrichten zu beschäftigen, eben weil sie uns dabei helfen, besser mit unserer Umwelt umzugehen. Gleichzeitig machen mir diese Gründe aber auch Angst, weil sie uns möglicherweise dazu bringen, Nachrichten zu sehr als etwas Feststehendes, Reales zu betrachten. Es lässt sich nur leider nicht verhindern, dass wir jemandem vertrauen müssen, weil wir selbst nicht anwesend waren.

Also vertrauen wir den Nachrichten erst einmal. Aber je mehr wir konsumieren, desto ausgeprägter wird auch unsere eigene Vorstellung von der Funktionsweise der Welt, bis wir plötzlich bestimmte Nachrichten nicht mehr akzeptieren. Im schlechtesten Fall hat die Nachricht dann keine große Auswirkung mehr auf uns, sondern bestärkt nur noch mehr unsere Überzeugungen. In Bezug auf die Flüchtlingsproblematik: Warum sollten denn schließlich mehr Menschen nicht auch mehr Probleme verursachen? Wir vernachlässigen die Grundfesten, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut ist und versuchen uns eine Welt zu schaffen, in der wir uns sicher fühlen können.

Warum wiederholen wir aber immer dieselben Parolen? Pegida, Flüchtlingskrise, Naziproblem? Gehen wir davon aus, dass diese Probleme besser verstanden werden, wenn wir sie immer wieder in den Nachrichten haben? Oder müssen wir sie in den Nachrichten haben, weil es aktuelle und wichtige Ereignisse sind? Was sollen Nachrichten denn überhaupt leisten, wenn nicht darüber informieren, was gerade eben passiert?

Tagtäglich wird für eine bessere Welt gekämpft. Die Frage ist nur: Für wen ist sie besser? Unsere verschiedenen Überzeugungen bringen uns zu unterschiedlichen Auffassungen über die Strukturierung unserer Gesellschaft. Und immer stärker erscheint mir eine Übereinkunft, die auf mehr Freiheit und mehr Individualität als Grundlage des eigenen Glücks basiert, gar nicht so aussichtsreich. Denn solange die Menschen innerhalb ihrer Bedürfnisse voneinander abhängig sind, führt eine gelebte Individualität eher zu einem Vergessen anderer. Warum sollte ich mich darum bemühen, andere zu verstehen, wenn sie maximal dazu beitragen können, meine Ansprüche einzuschränken?

Nachrichten sollten sich demnach Gedanken darüber machen, welches Bedürfnis ihre Information eigentlich erfüllt. Denn wenn wir unsere Intentionen nicht offensichtlich machen, wenn wir nicht versuchen, Nachrichten als ein Material zum Aufbau von Zuständen zu begreifen, dann werden wir meiner Meinung nach zu schnell abgelenkt. Wir reden plötzlich über die Folgen der Flüchtlingszuwanderung, ohne etwas gegen die Ursachen zu unternehmen. Wir beklagen uns über die Zustände, suchen einfache Antworten, werden von den Nachrichten taub gemacht, werden aggressiv. Dabei handelt es sich möglicherweise nur um eine Überfrachtung mit Informationen, die wir für nichts außer Wut und Beschwerden nutzen können.

Lernen: You Are Not So Smart – The Dunning-Kruger Effect

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.

Je weniger wir von etwas wissen, desto eher haben wir das Gefühl, gut darin zu sein. Wir gehen davon aus, dass unser Fortschritt von Amateur zu Experte genauso lang dauert, wie der Zeitabschnitt zwischen Unwissendem und Amateur.

Der Dunning-Kruger-Effekt sollte jedoch stark hinterfragt werden, weil die Forschung von Dunning und Kruger eher darauf schließen lässt, dass Menschen dazu tendieren, ihre eigenen Ergebnisse etwas über dem Durchschnitt einzuschätzen, obwohl sie unterdurchschnittlich abgeschnitten haben. Dennoch ist die Argumentation schlüssig, dass Menschen, die wenig über ein Thema wissen, schlechter einschätzen können, ob sie gut oder schlecht gewesen sind, weil sie ja nicht wissen, was gut oder schlecht in diesem Sinn bedeutet.

Reality-Sendungen im Fernsehen spielen mit der Vorstellung, dass den Schauspielern das Gefühl gegeben wird, dass sie im Zentrum einer schauspielerischen Karriere stehen, obwohl man sich eher über sie lustig macht. Dasselbe gilt für Casting-Shows. Die Menschen gehen davon aus, dass sie gut in dem sind, was sie tun, weil niemand ihrer Freunde ihnen sagt, dass sie erst am Anfang stehen.

Folgen: Je mehr wir über eine komplexe Aufgabe wissen, je mehr wir darin geübt sind, desto besser können wir uns mit anderen vergleichen, desto eher sehen wir auch unsere Schwächen und wissen, wo wir uns verbessern müssen. Wenn wir allerdings wenig wissen, dann ist es wahrscheinlich, dass wir uns selbst überschätzen.

Lernen: You Are Not So Smart – The Bystander Effect

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.

Je mehr Menschen einen Unfall beobachten, desto weniger fühlt man sich selbst dafür verantwortlich, einzugreifen. Man geht davon aus, dass sich die Menschen in der Umgebung darum kümmern werden, weil man selbst ja eigentlich nichts damit zu tun hat.

Wenn jemand mit seinem Auto liegen bleibt, dann besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, an einer schlecht befahrenen Straße, auf jemanden zu treffen, der einem hilft. Zwar trifft man auf der gut befahrenen Straße wahrscheinlich auf mehr Autofahrer, aber es besteht die Chance, dass diese sich denken. Ach, die nächste Person, die vorbeifährt, wird sicherlich helfen. Wenn das jedoch jede Person denkt, dann hält nie jemand an.

Folgen: Menschen tendieren auch dazu, in Gruppen weniger zu reagieren, weil sie die anderen beobachten, ob diese etwas unternehmen. Das führt dazu, dass Gruppen wesentlich länger brauchen, um anderen zu helfen. Wenn man sich also in einer Gruppe befindet, sollte man sofort helfen, anstatt sich erst über seine Umgebung bewusst zu werden.

Lernen: You Are Not So Smart – The Availability Heuristic

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.

Die Tendenz, eher an etwas zu glauben, von dem man schon einmal gehört hat. Es ist einfacher, etwas in Geschichten zu glauben, als in Zahlen oder abstrakten Darstellungen, weil letztere eben in der Entwicklungszeit des menschlichen Gehirns nicht so zugänglich gewesen sind. Je zugänglicher jedoch eine Information ist, desto schneller wird sie verarbeitet. Und je schneller sie verarbeitet wird, desto wahrscheinlicher wird sie geglaubt.

Wenn jemand aus der näheren Umgebung stirbt, nachdem er oder sie sich impfen lassen hat, dann wird man dazu tendieren, Impfungen als wesentlich größere Gefahr zu betrachten, auch wenn es statistisch gesehen keinen Grund dafür gibt. Sobald sich Informationen im Kopf breit gemacht haben, überschatten sie neue Informationen, sodass diese einen wesentlich geringeren Wert besitzen.

Folgen: Wir sollten uns darauf einstellen, dass wir neue und schwierige Informationen verarbeiten lernen, damit wir eine bessere Herangehensweise entwickeln, nicht nur den Geschichten aus unserer Umgebung zu vertrauen.

Lernen: You Are Not So Smart – Introspection

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.


Wir gehen davon aus, dass wir erklären können, warum wir etwas mögen, obwohl wir, wenn wir danach gefragt werden, uns wahrscheinlich einen Grund ausdenken. Die Gründe für emotionale Zustände sind für unser Bewusstsein nicht vollständig zugänglich, sodass wir nicht wissen können, ob unsere Erklärung zu unseren Gefühlen stimmt.
Wenn wir erklären sollen, warum wir ein kreatives Werk mögen, so verändert der Gedankenprozess, den wir in Gang setzen, unsere Meinung zu dem Werk. Ein Wissenschaftler an der Universität von Virginia hat dies mit dem Poster-Test deutlich gemacht. Er hat eine Gruppe von Student*innen darum gebeten, sich Poster auszusuchen und ließ sie dann damit gehen. Bei einer zweiten Gruppe sollten die Student*innen jedoch diesmal erklären, warum sie das Poster ausgewählt haben. Nach sechs Monaten war die zweite Gruppe mit ihrer Auswahl unzufriedener als die erste. Die Gruppe, die sich nicht erklären musste, hatte mehr von ihrer Entscheidung.
Folgen: Erklärungen, warum man etwas mag, verlieren einen Teil ihrer Bedeutung, weil sie nicht überprüft werden können und wahrscheinlich allein von der Plausibilität der Argumentation abhängen. Dennoch würde ich eine Erklärung nicht ablehnen, weil eben nicht sicher ist, ob bestimmte Aspekte des Inhalts nicht doch eine Rolle bei der Entwicklung von Gefühlen spielen können. Ich merke zum Beispiel an mir selbst, dass mich in bestimmten Momenten ruhige Filme eher ansprechen, weil ich mich dabei entspannen kann. Warum ich mich dabei entspannen kann, weiß ich nicht. Aber bestimmte Aspekte lassen sich anscheinend mit einem Gefühlszustand verbinden.

Lernen: You Are Not So Smart – Normalcy Bias

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.

Wenn wir in eine scheinbar nachvollziehbare Katastrophe hineingeraten, haben wir die Tendenz dazu, die Gefahr herunterzuspielen. Wir betrachten alle Ereignisse unter Einbezug unser bisherigen Erfahrungen, was dazu führt, dass wir Gefahren unterschätzen, wenn in unserem Alltag bisher noch nichts weiter Schlimmes passiert ist. Weiterhin führt Normalcy Bias dazu, dass Menschen versuchen, diejenigen zu beruhigen, die sich dagegen wehren, damit sie ihre Ruhe bewahren können.

Ein gutes Beispiel für Normalcy Bias sind Sturmwarnungen. Menschen haben in ihrem Leben sicherlich schon einige Stürme mitgemacht. Wenn sich darunter allerdings kein Sturm befunden hat, der etwas Wichtiges zerstört hat, dann werden Stürme eben nicht so ernstgenommen. Es werden nun Wetterwarnungen ausgegeben, aber diese werden größtenteils ignoriert, weil der angekündigte Sturm in Hinblick auf die bekannten Stürme bewertet wird. Und da die bekannten Stürme nicht so stark gewesen sind, wird davon ausgegangen, dass dieser Sturm wahrscheinlich auch nicht so stark wird.

Folgen: Normalcy Bias hilft dabei, die eigene Umgebung aufzunehmen und besser von Veränderungen zu unterscheiden. Ansonsten wäre alles für uns ständig neu und wir könnten nichts unterscheiden. Manchmal führt dieses Verhalten aber dazu, dass wir bis zur direkten Berührung nichts Besonderes in einer neuen Information sehen. So werden Warnungen vor einem starken Sturm oder einer Flut ignoriert, weil bisher nichts Sichtbares darauf hingedeutet hat, dass es schlimm werden könnte. Dasselbe gilt natürlich auch für globale Probleme wie dem Klimawandel oder das Ölfördermaximum. Probleme werden normal, weil wir uns nicht vorstellen können, welche Auswirkungen sie haben.