Zehn Songs von Eins Zwo, die man gehört haben sollte.

Neo Magazin Royale ist die TV-Sendung der Stunde im deutschen Fernsehen. Das liegt natürlich hauptsächlich an Jan Böhmermann und der Redaktion, die immer wieder originelle Ideen haben, die oft aufklärerischen oder popkulturellen, aber sicherlich immer einen pointierten Charakter haben und damit eine kleine Revolution innerhalb der doch recht festgefahrenen Televisionsmaschinerie darstellen. Einen kleinen Teil trägt hierzu auch der musikalische Leiter der Sendung, Dendemann bei, der zusammen mit der Show- und Hausband „Freie Radikale“ zwischen den Aktionen kleine Perlen der Musikunterhaltung liefert. In seinen Texten bereitet er dabei hochkreativ ein Thema der vergangenen Woche auf und rappt dabei so locker über die Beats, dass es nicht nur zum Nachdenken und Zuhören, sondern auch zum Kopfnicken anregt.

Das Dendemann schon ein alter Hase im Rap ist, weiß eine neue Generation von Raphörern vielleicht gar nicht mehr. Deswegen will ich hier ein paar Perlen seiner früheren Gruppe Eins Zwo auflisten, die die viel beweinte Golden Era des Ende Neunziger / Anfang 2000er Deutschrap stark geprägt und nach vorne gebracht hat. Dendemann gilt als einer der besten Techniker in Sachen Reimen, erzählte ganz eigene Storys und transportierte eine gelassene Weltansicht, die sich durch gute Flows schnell auf den Hörer übertrugen. Er war dabei der einzige Rapper der Gruppe, die außer ihm noch aus DJ Rabauke, der vorher DJ bei Fettes Brot war, bestand. Hier zehn Songs der Gruppe, die man bei intensivem Anhören als wahre Diamanten erkennen wird.

10. Ich so, Er so

Von der „Sport EP“, das als Demo verschickt und später überarbeitet auf den Markt gebracht wurde. Ein Song, der heute als der Klassiker schlechthin von der Band gilt. Ich mag ihn selbst nicht so unbedingt, weil der Flow noch etwas holprig ist und es so schwer wird, der eigentlich genialen Story zu folgen. Der Beat ist auch sehr minimal und etwas gewöhnungsbedürftig. Aber die wunderbaren Wortspiele und der Hang zu bisher ungehörten eigenen Geschichten von Dendemann werden auch hier schon sichtbar.

09. Hand aufs Herz

Heute auch ein Klassiker. Nicht zuletzt wegen dem Video, dass die Talkshowkultur in den USA parodiert. Auf den Song wurde sowohl in der Rap-History von Böhmermann und Dendemann zusammen mit Anke Engelke, als auch in verschiedensten anderen Rapsongs referenziert. Sehr cooler Beat, Torch- Cuts und einprägsame Zeilen. Der Song stammt von ihrem heute wie damals viel beachteten Werk „Gefährliches Halbwissen“, welches als Instant Classic gilt.

08. Schön, daß es euch gibt

Einer der großen Storyteller von Eins Zwo. Dendemann im Rap-Altenheim, vergessen von den großen Helden wie Max Herre, Smudo oder Afrob. Dahinter versteckt sich eine Huldigung vor der damaligen Rapszene, leise Selbstzweifel und ein Hang zur Selbstironie. Man sehnt sich nach alten Zeiten und ist froh, dieses Stück hören zu können, das die Stimmung der Zeit bestens einfängt. 

07. Undsoweiter

Ein Song mit „Kopf Hoch Bruda“ Message. Aber hier wird nicht in Selbstmitleid versunken, sondern dem Zuhörer sowohl im Text als auch im Beat in den Arsch getreten, um auf seiner Suche nach Lebenssinn voranzukommen. Immer locker und mit Wortwitz. Super Motivationssong. Vom zweiten und letzten, von Jazz-Samples durchtränkten Album „Zwei“ aus dem Jahr 2001.

06. Rechte Dritter

Rap ist voll mit Zitaten und Samples. Darum wird der Kultur manchmal Klauerei vorgeworfen und das kann auch rechtliche Konsequenzen haben. Das es aber kein plumpes Recycylen von bereits erfolgreichen Songs bedeuten muss, sondern der Künstler dadurch seinen eigenen Charakter besser darstellen kann, seine Einflüsse zeigt und mit seinen eigenen Stilen verknüpft, stellt Dendemann hier klar. 

05. Unschuld vom Lande


Einer der persönlichsten Songs von Eins Zwo und Dendemann, wo er sehr unverblümt über seine Situation spricht, auf einem wunderbar verträumten melacholischen Instrumental. Ein junger Typ, der im Zug sitzt und von seiner Heimat spricht, die ihm fremder wird. Immer am Pendeln zwischen Heimat und Musikerkarriere, alte Freunde und neue Bekannte. Aufstrebender Rapper versus Unschuld vom Lande.

04. Schon unterwegs

Jazziges entspanntes Instrumental. Perfekt für den Sonntag Nachmittag. Dende sehnt sich nach Zweisamkeit und ist im Begriff eine nicht näher genannte Person zu besuchen um zu schnacken und Tourvideos zu gucken. Wunderbare Atmosphäre, die jedem ein Lächeln aufs Gesicht setzt.

03. Ey Du

Vor jedem Sonntag Nachmittag steht ein Samstagabend im Club, in dem man abspacken und trinken will. Doch da stören die Aggrotypen, die Stress ohne Grund machen wollen. Dende plädiert für mehr Respekt und erhebt die Stimme für alle friedfertigen vernünftigen Menschen und ein bisschen auch für die Freaks und Außenseiter. Denn dein Mittel- und mein Zeigefinger würden Peace ergeben. Dazu ein echt clubtauglicher Beat und ein stark nach vorn gehender Kehrreim.

02. Tschuldiung

Nach fünf Songs vom Album „Zwei“ ist das hier eine echte Rarität von der Vinylsingle „Weltretten 4-/ Tschuldigung“, die nur auf Tour und im Shop verkauft wurde. Meiner Meinung nach der beste Beat, den Eins Zwo sich je vorgeknöpft haben. Wunderbares Sample, sehr verträumt. Die Lyrics wieder ein bisschen komplizierter, aber auch voller Wortwitz und technisch versierten Rapskills. Ich sag schon nicht mehr Hallo. Ich sag immer erst Entschuldigung.

01. Die Oma aus dem 1. Stock

Für mich der beste Song der Band. Super Songidee, super atmosphärischer Beat und hohes raptechnisches Niveau. Der junge MC hockt trotz Touren und Studiosessions nachts allein zu Haus, ein Stockwerk über ihm wohnt eine ältere Frau. Beide leben aneinander vorbei und doch sorgt er sich um sie und sie wird nachts mit seinen Beats beschallt. Eine kleine Geschichte, die vieles offenbart. Dieser Song vereint die höchste Wort- und Beatkunst, für die Eins Zwo so geliebt wurden.

Das ist nur eine kleine Auswahl, die der Band niemals in ihrer Gänze gerecht wird. Weitere Hits sind „Technique“, “ Danke gut“, „Weltretten 4-„, “ Liebes Logbuch“, „Discjockeys“ und eigentlich jede andere lyrische Offenbarung der Band. Insbesondere von Dendemann, der auch danach und bis heute lyrische Raffinessen unter Beweis stellt, wie zur Zeit etwa bei Neo Magazin Royale.

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