Angeschaut: Neo Magazin Royale und das Timing

Jan Böhmermann moderiert eine experimentelle Talkshow für die Hipster-Generation, die hin und wieder auch medienkritische und politische Themen anspricht. Die Bildundtonfabrik liefert das technische Know-How, William Cohn und Dendemann den Authentizitätsfaktor. Und zum Schluss landet alles in der ZDF-Mediathek und auf YouTube. Zielgruppe ftw.

Egal, wie sehr ich mich auch anstrenge, das Neo Magazin Royale zu mögen, und echt, ich gebe mein Bestes, wenn ich mich dazu zwinge, über das Anfangsgerede länger nachzudenken, einzig, es hilft nichts. Irgendwas stimmt nicht und ich weiß einfach nicht, woran das liegt. Ich mag Böhmermann, ich mag seine unsichere Art und seinen Umgang mit Fehlern und Selbstreflexion.

Ich mag auch Dendemann und die freie Radikale. Die Band ist super und sie wird auch einigermaßen okay eingebunden. Also daran liegt es auch nicht. Auch William Cohn macht seine Arbeit als Crazy-Dude super. Er ist eine aus der Welt gefallene Entität, ein Unsicherheitsfaktor, mit dem man einfach rechnen muss. Also was ist los? Was läuft nicht?

Ich denke, es liegt an der Zeitorganisation. Aber wirklich sicher bin ich mir nicht. Allerdings war #arschbombe hier schon ein ganz besonderer Fall. Beste Aussage von Böhmermann: „Kommt mal wieder, wenn wir mehr Zeit haben!“ Und dabei weiß ich nicht einmal, ob es konkret am Umfang der Sendung liegt. Natürlich könnte man mit einer Dreiviertelstunde wesentlich mehr mit den Gästen sprechen und mehr Inhalte liefern.

Aber vielleicht braucht es das auch nicht. Ich habe häufiger das Gefühl, dass der Ablauf eine sehr strenge zeitliche Taktung bekommt und Böhmermann dann häufiger vor dem Problem steht, alles, was er machen will, dann noch schnell, schnell umsetzen zu müssen, damit er nicht mit sich selbst enttäuscht ist. Nach dem Spiel mit den Rocketbeans fehlte zum Beispiel die Luft, um wieder runterzukommen. Man musste eben schnell noch K.I.Z. und Henning May ankündigen, weil die ja am Ende noch spielen müssen. Weil Marketing. Und Krassheit.

Dazu mischt sich die experimentelle Struktur, bei der Böhmermann mal einen One-Take im Segment der Telelupe macht und knapp zehn Minuten über die Rundfunkgebühr redet. Das ist gewagt, nicht wegen des Themas, sondern wegen der Länge, weil eben das einfach auch mal viel zu schnell langweilig werden könnte, oder aber man irgendwas vergisst oder so. Aber dafür ist das auch verdammt gut, also wenn wir uns mal vom Inhaltlichen wegbewegen und nur das generelle Prinzip verteidigen. Nur merkt man dann plötzlich nach den zehn Minuten, dass eigentlich schon mehr als die Hälfte der Sendung vorbei ist und man jetzt schnell das Standardprogramm abspielen muss.

Es ist jetzt auch nicht so, dass unbedingt etwas Schlechtes in den einzelnen Folgen passieren würde, dass mich daran hindert, das Neo Magazin Royale generell gutzuheißen. Es verschwindet vielmehr nur sehr langsam aus meinem Alltag. Und das finde ich eigentlich noch wesentlich schlimmer, weil das wahrscheinlich bedeutet, dass ich die Idee zwar mag, aber sie nicht bei mir anschlägt. Zurzeit werde ich von Martin zwar immer wieder dazu gebracht, mir die aktuellen Folgen anzuschauen, aber ich weiß nicht, wie lange das so weitergehen wird.

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