Paris: Kunst

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn eine Stadt an Schönheit verliert, weil man sie so gut kennenlernt, dass ihre Originalität anfängt zu bröckeln. Die Straßen ergeben plötzlich einen sinnvollen Zusammenhang und die Sehenswürdigkeiten verwandeln sich immer mehr in ganz normale Gebäude, die auch nur von Menschen errichtet wurden.

Ich kann mir vorstellen, dass Paris, wenn ich lange genug hier leben würde, genau diesem Prozess zum Opfer fallen würde. Ich merke das zum Teil jetzt schon. Martin und ich laufen durch den nördlichen Teil der Stadt, orientieren uns an unserem Gefühl, machen uns wenig Gedanken darüber, wo wir uns befinden, als vielmehr, worüber wir sprechen. Paris wird normal. Und auf der einen Seite ist das schön, auf der anderen Seite aber auch etwas befremdlich, wenn ich mir vorstelle, wie mitreißend die Erfahrungen in der Stadt bisher gewesen sind.
Auch heute sind wir wieder durch die Stadt gezogen und haben vieles mitgenommen. Zunächst einmal waren wir im Centre Pompidou, das gestern geschlossen hatte, und wir haben uns hier unsere Portion Kunst abgeholt. Auf den zwei Etagen des Museums kann man, wenn man möchte, sicherlich den ganzen Tag verbringen. Die Bilder und sonstigen Ausstellungsstücke zeigen eine Vielfalt moderner Kunst und geben einen umfangreichen Einblick in das, was wir überhaupt als Kunst wahrnehmen. Sind Stühle Kunst; Tische, Feuerlöscher?
Ich empfand es als Bereicherung dort so viel Zeit zu verbringen, selbst wenn das bedeuten sollte, dass wir möglicherweise nicht alles schaffen sollten, was für heute geplant gewesen ist. Als Nächstes sind wir wieder in einem Laden für alternative Mode gelandet. Diesmal jedoch mit dem Unterschied, dass ich mich dazu gebracht habe, Geld für ein neues Hemd auszugeben.

Wir arbeiten uns nur langsam vor. Mittagessen, diesmal Fast Food, danach über Pont Neuf und dann für eine Stunde im Shakespeare and Company versinken, einem Laden für englischsprachige Bücher mit einer atemberaubenden Atmosphäre: Die weiße, schläfrige Katze im oberen Stockwerk auf dem Sofa zwischen hunderten feinsäuberlich bis an die Decke in alten Holzregalen sortierten Büchern lässt keine Wünsche übrig. Bei mir werden es zwei Comics und das erwähnenswerte Gefühl, etwas aus Paris mitzunehmen, was mich auch später noch beeindrucken könnte.

Den Abschluss unseres heutigen Abstecher machen das Pantheon und der Jardin du Luxembourg. Das Pantheon ist die Grab- und Gedenkstätte einiger der größten französischen Denker und Autoren. Victor Hugo, Emile Zola, Alexandre Dumas, ihnen allen gewährt man in den Gemäuern ihre letzte Ruhe. Der Jardin du Luxembourg ist dahingehend ein Platz der Ruhe und Entspannung. Dort vor dem Springbrunnen zu sitzen und Tauben beim „Sterben“ zuzusehen, hat schon etwas Besonderes an sich. Der Rückweg gestaltet sich unkompliziert. Wir steigen in die Metro ein, steigen aus, kaufen Abendbrot und schließen die Mietwohnung auf. Langsam wird es zur Gewohnheit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.