Paris: Durch die Straßen

Wenn man durch die Straßen läuft, gibt es da diesen speziellen Geruch. Frische Crépes, frisches Gebäck, frisches Obst. Und noch mehr. Es springt einen förmlich an. Für mich ist das eine der Feinheiten, für die mir die Stadt in Erinnerung bleiben wird. Es ist nur ein kleines Detail, aber es gefällt mir. Möglicherweise auch, weil Orte für mich normalerweise nach nichts riechen.

Heute waren wir überall. Gestartet am Place de la Concorde durch die Tuilerien zum Louvre, daran vorbei an der Seine entlang zum Museum der Invaliden. Wir laufen schon über zwei Stunden, doch ich nehme die Zeit nicht mehr wirklich wahr. Die Stadt nimmt einen mit seinen Sehenswürdigkeiten gefangen.

Langsam bekommen wir Hunger und laufen eine kleine Straße entlang. Während sich Martin und Judith etwas in einer kleinen Bäckerei kaufen, probiere ich das asiatische Essen. Wir lassen alles einpacken und schlendern bis zum Ende des Weges. Wir biegen in einen Park ein und da ist er, der Eiffelturm.

Er ist dunkler, als man sich ihn gewöhlich vorstellt. Aber ansonsten passt das Bild. Das Wahrzeichen der Stadt ragt in den Himmel und ist das Zentrum jeglicher Aufmerksamkeit. Die Leute warten in langen Schlangen unter dem Riesen, obwohl ungleich aufgeteilt. Die Fahrstühle sind aus verständlichen Gründen wesentlich frequentierter. Wir laufen unter ihm durch und machen uns dann wieder auf den Weg in unser Viertel.

Ein kurzes Nickerchen später und die Abendluft begrüßt uns für unseren kleinen Spaziergang auf den Montmartre. Während wir uns durch die Künstler drängen, die auf den Plätzen die Menschen zeichnen, versuche ich Martin zu erklären, dass das genau mein Idealbild einer Stadt darstellt: Eine Verschmelzung großartiger Architektur der Vergangenheit mit der Lebhaftigkeit einer euphorischen Bevölkerung.

Mit einem Blick über die Stadt bei Sacré-Cœur machen wir uns noch einmal deutlich, wo wir heute überall waren und was wir noch vor uns haben. Und ich freue mich darauf, noch mehr zu sehen, noch mehr einfach in mich hineinzulassen.

Paris: Liebe und Schönheit

Paris im Sommer. Wir sind endlich da. Nils, Martin, Judith und ich sind nach mehreren Stunden Fahrt endlich in der Mietwohnung angelangt. Wir haben das Auto im Parkhaus abgestellt, sind mit der Metro an unser Ziel gelangt und nun genießen wir die Abendluft eines wunderschönen Hinterhofs.

Paris ist eine Explosion, es fühlt sich so an, als ob die Menschen nur dafür leben, dass sie ihre Energie herauslassen. Überall höre ich Musik, ob aus einem Lautsprecher im Parkhaus oder von Straßenkünstlern in Montmatre. Überall sind die Menschen auf den Straßen und machen etwas, springen herum. Eine imaginäre Filmszene reiht sich für mich an die nächste und dabei haben wir eigentlich noch nichts gesehen.
Der warme Wind weht durch die Alleen und die Pärchen laufen Hand in Hand dem Sonnenuntergang entgegen. Es ist wie ein riesiges wahrgewordenes Klischee. Aber es ist schön. Wir sind im Viertel unterwegs, um Essen zu besorgen. Mich faszinieren jedoch die Menschen, die an uns vorbeilaufen. In einem anderen Land, mit anderen Gepflogenheiten. Es ist spannend, nicht davon ausgehen zu können, dass man verstanden wird und doch mit den Blicken zu spielen.
Paris vereint eine unglaubliche Geborgenheit mit einem Gefühl von Bekanntheit. Alles greift ineinander und wirkt so, als müsste es so sein, wie es ist und auf keinen Fall anders. Ich habe das bisher nur sehr selten erlebt und bin gespannt, was mich und uns allgemein noch erwartet. 

Wohnzimmerregal: Shaun of the Dead (2004)

Es gab mal eine Zeit, da waren Zombie-Filme unglaublich modern. Das war so 2004, als der junge Zack Snyder mit seinem Spielfilmdebüt, dem „Dawn of the Dead“-Remake, eine neue Welle an Zombieverehrung auslöste. Und obwohl das Remake gut ankam und ich es auch bis heute noch sehr mag, kam der bessere Zombie-Film eindeutig aus England. Dass dieser Film „Shaun of the Dead“ heißt, lässt das ganze erst einmal ziemlich seltsam erscheinen, da man schnell an Asylum-Gurken erinnert wird. Aber weit gefehlt. Mit Edgar Wright gibt es einen neuen Regisseur, jemanden, der sein Handwerk außerordentlich gut versteht.

Shaun lebt ein außergewöhnlich durchschnittliches Leben. Nie passiert etwas. Und langsam geht das auch seiner Freundin auf die Nerven. Also entschließt sie sich, mit ihm Schluss zu machen. In seiner Trauerphase geht er zusammen mit seinem Mitbewohner Ed in seiner Stammkneipe etwas trinken und erwacht dann irgendwann am nächsten Tag immer noch in angeheitertem Zustand. Doch die Welt ist eine andere. London kämpft mit einer Zombiekatastrophe, und Shaun und Ed versuchen nun alles, um sich gegen die Zombies zu wehren und Shauns Freundin zu retten.

Shaun of the Dead ist eine großartig geschnittene Komödie, die auf unglaublich viele Einzelheiten achtet. Der erste Teil der Cornetto-Trilogie ist eine hemmungslose Hommage an Zombie-Filme der 1970er-Jahre und lässt die Charaktere unglaublich einfühlsam und witzig daran verzweifeln.

Ich denke in HTML

Seit es das Internet gibt, denke ich vordergründig in HTML. Das mag erst einmal seltsam anmuten, aber es wird klarer, wenn man sich die Frage stellt, wie Wissen abgespeichert werden kann und wie das Internet strukturiert ist. HTML ist die Sprache, mit der bestimmt wird, was eigentlich im Browser zu sehen sein soll. Soll jetzt Text kommen? Ein Bild? Ein Eingabebereich? HTML ist die Antwort darauf.

HTML ist dabei hierarchisch aufgebaut und besitzt umklammernde Auszeichnungselemente  (sogenannte Tags: <html>HTML-Datei</html>), die wiederum andere Elemente, aber auch Objekte in sich einschließen können. Nehmen wir eine typische Webseite, so beginnt diese mit der Unterscheidung eines unsichtbaren Informations- (Head) und eines sichtbaren Inhaltsbereichs (Body). Innerhalb des Bodys werden die Informationen nun so beschrieben, dass sie eine bedeutungstragende Funktion erfüllen.

Diese semantische Funktion ist Bestandteil der Wissensaufbereitung und wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum ich mich in den vergangenen Jahren vermehrt mit der Systematisierung von Informationen beschäftigt habe. So muss eben darüber nachgedacht werden, warum ein Wort fettgedruckt wird, oder es muss darüber nachgedacht werden, welche Bedeutung unterschiedliche Überschriftebenen besitzen oder warum Text in Paragrafen sortiert wird.

Und das führt natürlich irgendwann dazu, dass man in einer abstrakten Form von HTML denkt. Die Hierarchisierung und die Einteilung helfen dann dabei, Gedanken besser zu sortieren, und wenn ich nun einen Beitrag sehe, dann sehe ich nicht einzelne Textblöcke. Ich sehe das hier:

  • Gedanke 1
  • Gedanke 2
  • Gedanke 3
Wenn ich über etwas nachdenke, dann denke ich nicht unbedingt von einer Sache zu nächsten, ich denke in etwa so:
  • Gedanke 1
  • Gedanke 2
    • Wichtig
    • Unwichtig, aber könnte für Gedanke 1 relevant sein.
    • Oh, interessant …
Weiterhin gibt es dann noch so etwas wie URIs. Ich kann zum Beispiel zu /erfahrungen/studium/15ss/#pragmatismus verlinken und finde dort meine in Listen sortierten Aufzeichnungen für den Pragmatismus im Sommersemester 2015 meines Studiums. Oder ich verweise auf /arbeiten/lyrik/nebel/ und kann auf ein Gedicht zurückgreifen, das ich 2012 geschrieben habe. Dabei ist für mich besonders spannend, welche Kategorien entstehen, um das Wissen zu sortieren. Brauche ich eine Kategorie für einzelne Kulturen? Oder gehe ich davon aus, dass es eben nur regionale Unterschiede einer einzigen Kultur gibt?
Die Möglichkeiten eines solchen Systems sind wirklich beeindruckend. Und ich bin zwar sicherlich nicht der erste, der seine Erfahrungen ins Internet packt, aber ich finde es dennoch imposant, wie mich diese Internet-Mechanismen dazu bringen, dann auch die wirkliche Welt mit anderen Augen zu betrachten. Dass mich meine Umgebung prägt, ist dabei sicherlich nichts Besonderes, aber sich dieser Auswirkungen selbst bewusst zu werden, dann aber schon.

Wir sollten alle mehr schreiben

Seit gut einer Woche veröffentliche ich jetzt schon jeden Tag einen neuen Beitrag und versuche dadurch, wieder ein Gefühl für ein regelmäßiges Schreiben zu entwickeln. Dabei ist mir vor allem wichtig, dass ich Spaß habe. Lange Zeit habe ich das Schreiben nur als Tätigkeit gesehen, mit der ich komplexe Gedanken ausformulieren und anderen vorlegen kann. Das spielt gerade eben aber nur noch eine untergeordnete Rolle.

Natürlich finden sich in den Filmempfehlungen immer noch Informationen und ich versuche auch deutlich zu machen, warum ein Film für mich überhaupt in die Liste gehört. Allerdings sind diese Beiträge für mich wesentlich lockerer aufgebaut, als solche über die Gegenüberstellung von zwei unterschiedlichen Erklärungsmethoden. Ich will die tiefgreifenden Artikel zwar nicht vollständig verbannen, aber wenn es mir darum geht, das Schreiben wieder zu etwas Ungezwungenem zu machen, erscheint es mir nicht so sinnvoll, gleich mit dem nächsten Mammutprojekt zu beginnen.

Oder vielleicht doch? Oder nicht? Mal sehen! Schreiben ist vor allem eine Übungssache, und egal, wie viel ich auch über die Theorie weiß. Ich kann nur besser werden, wenn ich einfach auch mehr schreibe, und zwar über die verschiedensten Themen. Zurzeit geben mir die Regal-Beiträge einen festen Rahmen. Was ich jedoch mache, wenn ich mit allen Empfehlungen durch bin, das weiß ich noch nicht. Bis dahin habe ich allerdings noch einen Haufen Filme, über die ich wahrscheinlich noch nie mit jemandem gesprochen habe! Das wird also schon.

Warum sollten wir alle nun aber überhaupt damit anfangen, über das zu schreiben, was uns beschäftigt? 2007 habe ich auf einem Blog geschrieben, weil ich gern mit anderen über die Themen sprechen wollte, die mich interessiert haben. Heute geht das nur noch eingeschränkt. Die Menschen sind erwachsen geworden, haben einen Beruf oder so, gründen vielleicht gerade eine eigene Familie und kämpfen mit dem Sinn des Lebens, oder wenigstens mit der Vorstellung einer erfüllten Beziehung. Sie haben kaum noch Zeit, um mit Menschen im Internet zu diskutieren.

Heutzutage ist es auch keine Neuheit mehr, etwas im Internet zu lesen. Wir bekommen das ja alltäglich in den sozialen Netzwerken vorgesetzt. Was meiner Ansicht jedoch fehlt, ist ein Ausbrechen aus den Konventionen, ein bewusstes Auseinandersetzen mit der eigenen Gedankenwelt und wie sich diese Gedanken weiterentwickeln. Und hier setzt das Schreiben an: Wir erlangen die Fähigkeit zurück, uns mal wieder selbst zu reflektieren, anstatt bloß ein Selfie oder ein YouTube-Video zu posten. Und das finde ich großartig.

Natürlich hat man Angst davor, dass das, worüber man schreibt, nicht unbedingt den eigenen Erwartungen an guter Literatur entspricht. Oder dass man mit seinen Ausführungen zum Gespött oder aber zum Ziel von Trollen wird. Aber wisst ihr was? Das kann ohne große Probleme überwunden werden. Und die Gespräche, die sich aus den Gedanken entwickeln, können auf etwas hinweisen, über das man noch nie nachgedacht hat. Und das ist der Antrieb dahinter: Spaß zu haben, interessante Gedanken auszutauschen und Menschen kennenzulernen.

Wohnzimmerregal: Hot Fuzz (2007)

Hot Fuzz ist wahrscheinlich die beste englische Komödie, die jemals produziert wurde. Und dabei referenziert der Film eigentlich die ganze Zeit über nur amerikanische Action-Blockbuster. Doch der Film ist auf so vielen verschiedenen Ebenen interessant, dass es eine Schande wäre, ihn vollständig darauf zu reduzieren.

Nick Angel wird als Londoner Vorzeigecop in ein kleines Dorf im Nirgendwo versetzt. Es scheint nicht so wirklich viel los zu sein und er vertreibt sich seine Zeit damit, die Menschen im Dorf näher kennenzulernen und kleinere Polizeiarbeit durchzuführen. Doch plötzlich kommt es zu ungewöhnlichen Unfällen und Angel vermutet, dass mehr dahintersteckt.

Der zweite Film der Cornetto-Trilogie ist mit seiner Atmosphäre, bei der man nie so richtig weiß, ob sich der Film gerade selbst noch ernstnimmt und seinen überragenden Schnitttechniken ein beeindruckender Versuch, Komödien-, Action- und Horrorelemente locker miteinander zu verbinden.

Wohnzimmerregal: What We Do in the Shadows (2014)

Ein weiterer Vertreter von grausamer Titel, großartiger Film. Flight of the Conchords erprobter neuseeländischer Humor, der in einer Mockumentary zu seinem Höhepunkt gebracht wird. Kleine Szenerien, ein paar nette Seiltricks und schon ist man in diesem Vampirfilm gefangen. Und auch der einzige Film, zu dem ich lauthals im Kino gelacht habe.

Die Handlung konzentriert sich auf eine Wohngemeinschaft von vier unterschiedlich alten Vampiren in Wellington, deren Alltag in der Wohnung und in der Stadt gezeigt werden. Nachdem allerdings bei einem Angriff ein Opfer versehentlich zu einem Vampir gemacht wird, muss sich die Gruppe damit auseinandersetzen, wie sie diesen irgendwie in die Gruppe integrieren.

Aus dieser Grundsituation entstehen die Witze, die vor allem mit den Erwartungen des Publikums über die Verhaltensweisen von Vampiren spielen. Der Film schafft es, ohne großen Aufwand eine unglaublich lustige Charakterkomödie abzuliefern, die vor allem einfach Spaß macht.

Wohnzimmerregal: The Big Year (2011)

Ich mag den deutschen Titel des Filmes überhaupt nicht. Ich kann richtig spüren, wie Marketingmenschen zusammengesessen haben und versucht haben, den Film als eine gedankenlose Komödie zu vermarkten. Ha, ha, es geht um Vogelbeobachter, verstehen Sie? Und dann gibt es da dieses Wortspiel, weil die ja ein Jahr unterwegs sind, so außerhalb der Gesellschaft. Ha, ha. Aber auch, weil die Vögel freigegeben sind, zur Beobachtung. Ha.

Und ich mische mich da ein und möchte einen Film präsentieren, der so viel mehr ist, als nur oberflächlicher Wegwerfhumor. Der Film ist ein einfühlsames und witziges Drama über drei Individuen, die sich aus unterschiedlichen Gründen dazu entscheiden, am „großen Jahr“ (The Big Year) teilzunehmen, einem Versuch, innerhalb eines Jahres die meisten Vogelarten in den USA zu finden und bewusst zu beobachten.

Der Film erkundet dabei intensiv die Motivationen der einzelnen Charaktere und zeigt auf, wie sich Freundschaften entwickeln und wie wir als Menschen insgesamt miteinander umgehen und Erfahrungen teilen. Das ist ein Film, den ich mir immer und immer wieder ansehen kann, weil er auch von der Atmosphäre und den Orten unglaublich vielseitig ist. Ich freue mich jedes Mal.

Wohnzimmerregal: Moon (2009)

Psychologische Science-Fiction ist immer noch etwas, das man relativ selten findet. Umso mehr hat es mich gefreut, dass Moon versucht hat, sich von den Action- oder Horror-Filmen des Genres abzugrenzen, indem der Stress eines Menschen in Isolation dargestellt wird. Damit hat er auch ein wenig Ähnlichkeit zum bald erscheinenden The Martian.

In Moon werden 70% der Energieversorgung der Erde durch Förderanlagen auf dem Mond gedeckt. Sam Bell ist der einzige Techniker, auf dem Mond, der sich nach Ende seiner dreijährigen Wartungsarbeiten, auf seine Heimreise vorbereitet. Als es allerdings zu einem Zwischenfall außerhalb der Basis kommt und seinen Abflug verpasst, muss er sich auf einmal mit existenzialistischen Problemen auseinandersetzen.

Der Film schafft es, mit ganz einfachen Mitteln eine nachdenkliche und kapitalismuskritische Geschichte zu erzählen. Er fragt nach den Folgen von Isolation und Einsamkeit, und danach, wie wir mit unseren Technologien umgehen sollten.

Wohnzimmerregal: Dark City (1998)

Dark City hat mich vor allem gefesselt, weil der Frage auf den Grund gegangen wird, was wir als Wirklichkeit wahrnehmen und wie wir mit Erinnerungen umgehen. Dazu noch eine dystopische Welt und Telekinese, und ich bin dabei!

In dem Film geht es um John Murdoch, der ohne Erinnerung in einem Hotelzimmer aufwacht und der herausfinden möchte, was mit ihm geschehen ist. Merkwürdige Wesen, die als Fremde bezeichnet werden, tauchen auf und machen Jagd auf ihn. Während er auf der Suche nach seinem Gedächtnis ist, fallen ihm immer mehr merkwürdige Dinge in der Stadt auf und ihm wird deutlich, dass es sich nicht um eine normale Stadt handeln kann.

Für mich war vor allem die Diskussion über die Seele und die Fragen, was uns angeboren und was durch Erfahrungen geprägt ist, interessant. Ich mag diese Art von philosophischen Fragen, weil sie deutlich machen, wie wenig wir doch wirklich wissen können und wie zerbrechlich unsere Vorstellungen sind.